Ich weiß nicht wie es Dir geht, aber mittlerweile finde ich die Interviews von AfD-Politiker*innen nur noch armselig.
Höhepunkt für mich war dieses Jahr das Sommerinterview mit Alexander Gauland! Der Mann hat keine Ahnung von Digitalisierung, seine Partei hat bis zum jetzigen Zeitpunkt kein Rentenkonzept vorgelegt und zum Thema Regulierung vom Wohnungsmarkt und Schutz der Mieter*innen vor Anbieter wie Airbnb gab es auch keine Antwort.
Bei einem Thema jedoch sprudelt es aus ihm heraus: KLIMAWANDEL. Laut AfD kann man nichts gegen den Klimawandel tun, dieser sei auch nicht vom Menschen verursacht. In ihrem Grundsatzprogramm heißt es: „Das Klima wandelt sich, solange die Erde existiert. (…) Seit die Erde eine Atmosphäre hat, gibt es Kalt-und Warmzeiten.“ (S.79). Die kleine Randnotiz, dass der gegenwärtige Temperaturanstieg schneller steigt als in den letzten zwei Jahrtausende wird dabei elegant ignoriert. Nach der Statistik von Gauland verursacht Deutschland 2% des Gesamt CO2-Verbrauchs weltweit. Somit lohne es sich nicht etwas dagegen zu tun, weil man nichts bewirke und eine Vorbildfunktion keine Auswirkung auf die anderen Länder hätte. Er ist der Meinung man könne nichts Sinnvolles bewirken mit einer Klimapolitik.

Das ist aber nicht das erste Mal, dass sich Mitglieder der AfD zum Thema Umwelt äußern. Beatrix von Storch gab im September 2017 ein Interview auf dem YouTube Channel Jung & Naiv, bei dem sie die Sonne für den Klimawandel verantwortlich machte.

Dadurch, dass die Sonne bei der Speicherung von CO2 bei den Ozeane eine zentrale Rolle spielt (desto kälter der Ozean, desto mehr CO2 kann er speichern), sieht sie die Sonne als Feind des Klimawandels.
Zitat: „Dann sollten wir (..) der Sonne erklären, dass sie nicht so viel scheinen soll zum Beispiel. Das wäre doch mal eine Überlegung, weil die Sonne ja den Einfluss auf die Ozeane hat und nicht wir auf die Ozeane, sondern die Sonne. Der Ozean wird ja nicht warm, weil wir sagen Ozean werd mal warm oder kalt. (..) Wir sollten die Sonne verklagen.“

Und jetzt die Fakten zum Klimawandel:

Der Grund warum die Meere wärmer werden liegt nicht etwa daran, weil die Sonne Lust hatte heißer auf die Ozeane zu strahlen, sondern weil die erhöhte Menge an Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Somit erwärmen sich die Ozeane und nehmen pro Jahr 1/3 des ausgestoßenen Kohlenstoffdioxids auf.
Die Treibhausgase werden primär von uns in die Atmosphäre entlassen, dabei wirkt sich Kohlenstoffdioxid besonders negativ aus. Dieses Gas entsteht da wo die fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle verbrannt werden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde bei Kohlendioxid eine Zunahme in der Atmosphäre um 35% festgestellt.
Weitere gefährliche Treibhausgase sind Methan welches bis zu 15 Jahre in der Atmosphäre verweilen kann und Lachgas, das bis zu 120 Jahre in der Atmosphäre bleibt. Folgende Gase entstehen bei der Viehzucht, beim Düngen und beim Reisanbau.

Was können wir dagegen tun?

Zum einen kann man zu Ökostrom wechseln, mit dem Vorteil circa 0,6 Tonnen CO2 pro Jahr und Person zu sparen. Zum anderen besteht die Möglichkeit LED-Lampen zu nutzen, damit können 0,4 Tonnen CO2 jährlich gesparrt werden. Die effektivste Lösung ist jedoch den Fleisch- und Milchkonsum zu verringern. Eine Studie der Oxford Universität belegte, dass man ohne Fleisch- und Milchprodukte die Agrarfläche weltweit um bis zu 75% reduzieren könnte.

Solange wir für den Klimawandel Schuld sind können wir ihn auch stoppen.

Quellenangabe:
https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/klima-und-luft/klimawandel/06738.html
https://ec.europa.eu/clima/change/causes_de
https://utopia.de/neue-studie-fleisch-milch-haben-groessten-umwelt-einfluss-92556/
https://utopia.de/galerien/klimaschutz-tipps/#12

2018 ist ohne jeden Zweifel ein besonderes Jahr. Die Pro-GroKo-Entscheidung der SPD-Mitglieder, der Rücktritt vom Rücktritt Seehofers, das frühe WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft und jetzt – nun, jetzt dominiert ausnahmsweise mal wieder das Wetter die Schlagzeilen. Zu heiß, zu trocken und ab und an ziehen donnernde Gewitter auf. Das Wetter, ausgerechnet jenes leidige Thema, welches beim Smalltalk nicht fehlen darf, spielt augenscheinlich verrückt und zeigt uns, dass Klimawandel nun wirklich keine leere Hülle von Begrifflichkeit ist, sondern ein real existierendes Phänomen unter dem andere Teile der Welt bereits deutlich länger und deutlich intensiver leiden müssen. Und während die derzeitigen Temperaturen in vielen Büros und Produktionsstätten für helle Aufregung sorgen und der Wunsch nach einer Klimaanlage wohl jeder Person derzeit innewohnt, gibt es eine Branche, welche erklärtermaßen besonders betroffen ist – die Landwirtschaft. Es drohen Ernteausfälle, wie sie Deutschland seit langer Zeit nicht mehr erleben musste. Manche Betriebe sprechen bereits von über 50% Ertragsausfall, die Getreideernte wird auf nicht einmal mehr 40 Tonnen prognostiziert – weit unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre von rund 47 Tonnen. Auch Mais, Futtergerste und andere Saatgüter leiden unter der sengenden Hitze. Schlimme Nachrichten auch für alle Pommes-Liebhaber*innen: die Kartoffeln wachsen dieses Jahr äußerst schlecht.

Unter diesen Voraussetzungen erscheint der Ruf nach staatlicher Unterstützung, bestenfalls in Milliardenhöhe, verständlich und logisch. Der Bauernverband als größte Lobbyorganisation der landwirtschaftlichen Betriebe nimmt die Politik in die Verantwortung, sie solle die Ausfälle und den damit verbundenen wirtschaftlichen Schaden abschwächen, im besten Fall ausgleichen. Schnell werden Vergleiche mit Umweltkatastrophen wie Hochwassern angestellt – auch da gäbe es ja meist unkomplizierte staatliche Unterstützung – und die derzeitige Dürreperiode mag in den Augen der Betroffenen wirklich wie eine Katastrophe wirken. Was also macht die Politik? Sie zeigt sich erstaunlich offen für finanzielle Beihilfen. Während die Gräben bei vielen Themen, insbesondere wenn sie auch nur im entferntesten mit Migration verknüpft werden können, tiefer nicht sein könnten, scheint die geforderte Entlastung der Landwirtschaft bereits ausgemachte Sache zu sein. Die Lobbyarbeit insbesondere des Bauernverbandes wirkt jedoch noch weiter. Denn nicht nur mit Geld soll geholfen werden: Auf den Ausgleichsflächen, welche, um die Bodenbelastung zu reduzieren, nicht beackert werden dürfen, soll den Landwirt*innen der Anbau erlaubt werden – der Umweltschutz wird also (wieder einmal) geopfert um die Erträge der Betriebe sicherzustellen. Die Maßnahmen, welche nun ergriffen werden sollen, schießen an der eigentlichen Problematik allerdings weit vorbei: Landwirtschaft in ihrer aktuellen Form in Deutschland kann nicht funktionieren. Ohne staatliche Subventionen im Allgemeinen wären die meisten Betriebe generell nicht überlebensfähig. Rund 40% der Erträge stammen laut Schätzungen aus Subventionen, werden also gezahlt, bevor auch nur ein einziger Samen gesät und ein einziges Tier gefüttert wird. Dieser Umstand ist umso problematischer, als der Trend zu immer größeren Betrieben geht: Während der Anteil der Betriebe mit über 100 Hektar Nutzfläche bei nur 13% liegt, vereinen diese mittlerweile über 59% der gesamten Nutzfläche auf sich. Zúm Vergleich: Fast ein Viertel der Betriebe kann nicht mehr als 10 ha vorweisen – und macht damit gerade einmal 2,2% der gesamten landwirtschaftlichen Fläche aus. Die Profiteure von Subventionen und staatlichen Hilfen indes sind, ähnlich wie in allen anderen Wirtschaftszweigen, nicht die Kleinen. Denn es wird in erster Linie nach Größe verteilt – nicht danach ob die Art zu wirtschaften nachhaltig ist oder ob gehaltene Tiere ein vernünftiges Leben führen können. Und obwohl der Anteil der Landwirtschaft am BIP bei nicht einmal 1% liegt, ist sie gleichzeitig für rund 7,2% der Emissionen im Land verantwortlich. Gerade hier zeigt sich auch die ganze Krux dieser Industrie: Während die Großbetriebe durch politische Lobbyarbeit einen Geleitschutz für ihre umweltschädigende Arbeit haben, leiden Kleinstbetriebe am meisten unter den Auswirkungen des Klimawandels.

Finanzielle Hilfen, wie sie wahrscheinlich kommen werden, verlagern das Problem nur weiter in die Zukunft. Es besteht kein Grund, insbesondere für große Betriebe, umzudenken – immerhin kann man sich fast sicher sein, die Politik springt im Zweifel ein. Ähnlich, wenn auch im kleineren Maßstab, wie in der Bankenkrise, nimmt man den Verantwortlichen die Last ab und bestätigt sie somit in ihrem Kurs. Notwendiger wäre in Deutschland und Europa hingegen ein drastischer, agrarpolitischer Kurswechsel. Weg von den Monokulturen auf weiten Feldern, weg von der industriellen Tierhaltung, welche in erster Linie Leid und Dreck produziert und keine schönen, zarten Filetsteaks. Dieser Kurswechsel wird allerdings nicht vom Himmel fallen, er muss politisch gewollt sein und er muss für die Betriebe die einzige Alternative zur Geschäftsaufgabe sein. Ansonsten wird sich die Landwirtschaft in Deutschland nur noch katastrophaler entwickeln: das Sterben der Kleinbetriebe wird zu immer größerer Konzentration von Flächen in den Händen weniger führen – die dank der deutschen und europäischen Subventionspolitik auch kein Interesse an wirklich nachhaltiger Arbeit entwickeln können. Der Appell an die Politik ist also klar: Streicht die angedachten finanziellen Hilfen. Lasst die Betriebe leiden – um sie stärker zu machen und ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen. Trotz aller Hitze – manche können sich nämlich freuen: Obst wächst fantastisch und gerade die Winzer*innen jubeln, denn die Ernteaussichten könnten schöner nicht sein. 2018 bietet uns erneut die Chance, umzudenken und umzusteuern – nutzen wir sie.

letzte Woche war es nun so weit, die EU Kommission hat Deutschland und andere Mitgliedstaaten vor dem EuGH verklagt, da in städtischen Gebieten die Grenzwerte den Anteil von Stickoxiden in der Luft seit Jahren beharrlich und evident überschritten wird. Solche Verfahren kommen häufiger vor und sind oft das letzte Mittel um einen Mitgliedstaat zu Einhaltung der europäischen Gesetze und Verträge zu bewegen.

Und diese Klage kommt nicht überraschend. Wie in allen dieser Verfahren ging auch in diesem Fall der Klage ein mehrjähriges offizielles Verfahren voraus, um Deutschland zur Einhaltung der Stickoxidgrenzwerte zu bewegen. Schon 2015 mahnte die EU Kommission die zu hohen Grenzwerte an und verlangte entschiedenen Gegenmaßnahmen. Von deutscher Seite waren bis jetzt jedoch keinerlei ernsthafte Bemühungen ersichtlich, die Luft in deutschen Innenstädten merklich zu verbessern. Im Gegenteil, man hat den Eindruck, die Lage soll einfach aus gesessen werden und es wird gehofft, dass sich die Situation schon von alleine und spontan verbessern wird. Nicht einmal eine verpflichtenden technischen Nachrüstung der tausenden PKW, die vom Dieselskandal betroffen sind wird ernsthaft erwogen. Wiedereinmal heißt es, diese Maßnahmen seien schlicht zu teuer und und eine Verpflichtung der Autokonzerne komme natürlich auch nicht in Betracht, man müsse doch an die internationale Konkurrenzfähigkeit und die betroffenen Arbeitsplätze denken.
Aber auch über jeden anderen Vorschlag, wie die Stickoxid Belastung in den Städten verringert werden kann wurde in der Öffentlichkeit eine hitzige Diskussion geführt und es fand sich auch immer eine Vertreter*in entweder der Bundes-oder einer Landesregierung, die*der den Vorschlag umgehend zurückwies. Innerstädtische Fahrverbote? Gilt es mit allen Mitteln zu verhindern. Geschwindigkeitsbegrenzungen? Niemals, auch in der Stadt muss der Verkehr zügig fließen. Dann wenigstens neue Umweltplaketen, die Autos mit zu hohen Emissionswerten die Einfahrt in die Innenstädte verwehren? Auch keine Möglichkeit, dass würde ja einer Enteignung der Eigentümer*innnen gleichkommen.

Auch wenn solche partiellen Fahrverbote natürlich keine Enteignung im juristischen Sinne darstellen ist der letztgenannten Ansicht insofern zuzustimmen, dass die Verschmutzung der Luft nicht auf dem Rücken finanziell schlechter gestellter Büger*innen bekämpft werden darf. Gerade diese Bevölkerungsschichten wären jedoch von Fahrverboten durch Umweltzonen ohne Ausgleichsmöglichkeiten am härtesten betroffen, während betuchtere Bürger*innen in Lage sind, den älteren PKW durch ein neueres Modell, das dann die Grenzwerte wieder einhält, auszutauschen.
Es gibt jedoch eine Möglichkeit, wie die Einschränkungen der Bürger*innen ausgeglichen werden und trotzdem die Luft in den Innenstädten verbessert werden kann. Eine konsequente Kehrtwende in der Verkehrspolitik, weg vom Individualverkehr im eigenen PKW hin zum öffentlichen Personennahverkehr. Und dies beinhaltet nicht nur einen umfassenden Ausbau der Infrastruktur, sondern auch, dass das Angebot von allen Bürger*innen kostenlos genutzt werden kann.
Auch diese Argumentation war in der öffentlichen Diskussion scharfem Gegenwind ausgesetzt. Unter den altbekannten Begründungen, zu teuer, wird nicht funktionieren, dann bräuchten wir ja viel mehr Busse, Bahnen usw. werden solche Pläne in das Reich der Utopie verwiesen. Auch hier ist zuzugeben, dass eine solche Umstellung natürlich einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Ob in einem Flächenland wie Bayern der öffentliche Personen Nahverkehr auch in ländlichen Gebieten jemals in der Lage sein wird, vergleichbare Mobilitätsmöglichkeiten wie der eigene PKW zu bieten wird sich zeigen.

Dies alles kann jedoch kein Argument sein, einen kostenlosen und umfassenden öffentlichen Personennahverkehr nicht wenigstens in den Städten anzubieten. In einem flächenmäßig begrenzten Gebiet, dessen Verkehrsinfrastruktur jeden Tag eine große Menge an Menschen bewältigen muss, gibt es schlicht keine andere Möglichkeit, als einen optimal ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr. Kombiniert mit eine kostenlosen Bereitstellung durch die öffentliche Hand wird es möglich sein, die Bevölkerung ohne große individuelle Einbußen zu einem Umstieg bewegen zu können.
Und es wird bereits an der Umsetzung gearbeitet. So hat in der letzten Woche die Stadt Augsburg bekannt gegeben, dass sie in einem innerstädtischen Bereich die Busse und Bahnen ab 2019 kostenlos anbieten wird. Auch wenn dieser Citybereich äußerst begrenzt ist und für den Großteil des augsburger Stadtgebietes weiterhin Tickets gelöst werden müssen, sind solche Modellprojekte sehr zu begrüßen. Lasst uns die Erfahrungen, die die Augsburger*innen machen sammeln und auf andere Städte anwenden. So dass hoffentlich in wenigen Jahren auch Millionenstädte wie München einen kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr anbieten können.
Noch einmal zur häufig erwähnten Unbezahlbarkeit solcher Modelle. Ja es werden neue finanzielle Belastungen entstehen und ja das Wegbrechen der Einnahme aus dem Ticket verkauf muss den Kommunen ausgeglichen werden. Angesichts des drohenden Verkehrskollapses in vielen deutschen Städten und vielen tausen Toten jährlich auf Grund von Stickoxiden bleibt uns jedoch schlicht nichts anderes übrig, als diesen Schritt zu gehen.

Es ist ein häufig zitiertes Spannungsfeld, viele sehen ihn ihm tatsächlich einen unüberwindbaren Widerspruch: Der Zusammenhang zwischen Ökologie und Ökonomie. Wer umweltbewusst leben will, so das Credo, müsse dafür tief in die Tasche greifen. Und in der Tat ergab eine Studie der Hochschule Pforzheim, dass gleichwertige Lebensmittel mit entsprechender ökologischer Zertifizierung im Schnitt rund 70 % mehr kosten als ihre konventionellen Äquivalente[1]. Dabei handelt es sich um einen Preisaufschlag, den nur wenige Verbraucher:innen zahlen können oder wollen.

Doch nicht alle nachhaltigen Handlungsformen sind optional: Die EEG-Umlage, die hierzulande die Energiewende auf dem Elektrizitätsmarkt forcieren soll, ist von nahezu allen Endkund:innen finanziert und seit 2010 um 231 % gestiegen. Sie macht so mittlerweile ungefähr ein Fünftel der jährlichen Stromrechnung eines Musterhaushaltes mit 4.000 kW/h Verbrauch aus[2].

Diese Beispiele lassen viele Bedenken, die Bürger:innen in Bezug auf klimafreundliches Verhalten haben, verständlicher erscheinen. Sie fühlen sich bevormundet und geschröpft. Nachhaltiger Konsum droht, zum Lifestyle der Gutbetuchten zu verkommen. Mit dem SUV in den Biomarkt zu fahren ist Sinnbild einer Entkoppelung von Anspruch und Wirklichkeit.

Diese offensichtlichen Problematiken zeichnen jedoch ein ins Düstere verfälschtes Bild. Tatsächlich liegt es in der Macht eines:r Jeden, tagtäglich bewusst eine dem Planeten gegenüber freundlichere Verbrauchsgewohnheit zu etablieren. Oftmals sind es allerdings auch verfehlte politische Weichenstellungen, die übermäßige Ressourcennutzung begünstigen.

Im Folgenden werden daher Lösungsvorschläge für die besonders energieintensiven Bereiche der Ernährung, des Individualverkehrs und der Heizung unserer Gebäude präsentiert.

 

Ernährung

Auf den ersten Blick scheint die obig erwähnte Studie, wenig Hoffnung auf eine erschwingliche nachhaltige Ernährung zu lassen. Doch der Weg in den Biomarkt ist nicht die einzige Variante, die eigene Essgewohnheit umweltfreundlicher zu gestalten. Einer der größten Faktoren, der die Energiebilanz von Lebensmitteln in die Höhe treibt, ist ihr zurückgelegter Transportweg. Über zwei Drittel aller auf dem deutschen Markt verkauften Bio-Zucchini werden aus anderen Nationen importiert[3]. Diese vielen Kilometer, die auf See, Straße oder Schiene zurückgelegt werden, sorgen für hohen Energieaufwand und dementsprechende Emissionen. Für Äpfel wurde im Environmental Science and Pollution Research eine Studie[4] veröffentlicht, die sogar eine halbjährige Lagerperiode der heimischen Frucht einkalkuliert, zu dem Ergebnis kommt, dass aus Neuseeland importierte Äpfel im Vergleich zu deutschen einen 27% höheren Energieaufwand benötigen, um den:die hiesige Konsument:in zu erreichen. Aufgrund der häufigen Verwendung von fossilen Energieträgern beim Import von Nahrungsmitteln ist die Emissionsbilanz für diese Nahrungsmittel sogar noch verheerender: Der CO2-Ausstoß für Importware steigert sich um den Faktor elf, es werden sogar 28-mal so viele Stickoxide freigesetzt[5] wie bei inländischen Produkten. Daraus lässt sich schließen, dass auch der Einkauf regionaler Produkte die Umwelt entlastet und der Griff ins Bioregal nicht die einzige Methode hierfür ist. Und nebenbei wird auf diese Art und Weise die örtliche Landwirtschaft gestärkt.

Doch nicht nur die Herkunft der Lebensmittel entscheidet über ihre Energiebilanz, von elementarer Bedeutung ist schlicht auch, was man isst. Schon 2012 machte der WWF darauf aufmerksam, dass ein einziger fleischfreier Tag in der Woche sämtlicher Bundesbürger:innen bedeutend geringere Treibhausgasemissionen mit sich brächte: Neun Millionen Tonnen CO2 und andere klimaschädliche Gase, also umgerechnet etwa 75 Milliarden PKW-Kilometer würden die Umwelt nicht mehr belasten[6]. Jedoch liegt es nicht nur an den Verbraucher:innen alleine, dass Fleisch günstig und in Mengen allgegenwärtig ist: Mit über einer Milliarde Euro wird hierzulande die intensive Massentierhaltung subventioniert[7]. Würde hingegen der reale Gegenwert für derartige Produkte verlangt wären viele Verbraucher:innen wohl eher bereit, weniger Fleisch zu sich zu nehmen. Darüber hinaus könnte durch eine sinnvollere Subventionspolitik eine Stärkung kleinerer und mittelgroßer Betriebe erreicht werden und so das jetzig vorherrschende Mantra „Wachse oder Weiche“[8] in der Landwirtschaft bekämpft werden. Bedenkt man nun noch, dass der jetzige Fleischkonsum in seinen üblichen Mengen nicht nur der Umwelt, sondern auch der eigenen Gesundheit in eklatantem Maße Schaden zufügt[9] erscheint die momentane Förderungsvergabe hochgradig unvernünftig.

Ein grundsätzlich vernachlässigter Faktor bei der Auswahl der Lebensmittel ist ihre Saison. Nur im unter hohem Energieaufwand betriebenen Gewächshaus können die einzelnen Obst- und Gemüsesorten das ganze Jahr über frisch produziert werden. So emittiert beispielsweise der Anbau von Bohnen im Treibhaus jedoch knapp 29 mal so viel CO2 wie ihr Freilandanbau[10]. Informationen über die Erntezeitpunkte der unterschiedlichen Produkte bieten vielfach erhältliche Saisonkalender[11].

Zusammenfassend lässt sich somit konstatieren, dass sowohl auf der persönlichen Ebene als auch durch die Politik eine nachhaltige(re) Ernährung erreicht werden kann. Der Griff zu saisonalen und regionalen Produkten sowie gelegentlicher Fleischverzicht in Kombination mit einer zeitgemäßen Subventionspolitik, die kleine und mittlere Landwirtschaftsbetriebe statt industrieller Massentierhaltung fördert, kann viel erreichen.

 

Verkehr

Knapp ein Fünftel der deutschen Treibhausgasemissionen stammt aus dem Verkehr. Eine Besonderheit dabei: Dieser Sektor ist der einzige, der im Vergleich zu 1990 sogar noch gestiegen ist[12]. Dabei kommt es zu dem paradoxen Effekt, dass die Verkehrsmittel zwar immer effizienter, aber auch mehr genutzt werden[13]. Dies erklärt sich dadurch, dass der technische Fortschritt durch immer höhere gesellschaftliche Mobilitätsanforderungen egalisiert wird. Die Zahl der Pendler:innen, die es weiter als 25 km vom Wohn- zum Arbeitsort haben, ist seit 1996 um über 28 % gestiegen[14]. Aber auch der Straßengüterverkehr hat bedeutend zugenommen[15], der innereuropäische Binnenhandel macht es möglich.

Diese Entwicklungen kann niemand zurückdrehen. Die Frage muss daher lauten, welche Energieträger die größere Mobilität von Menschen und Gütern befeuern. Als Mutterland des Automobils gehört Deutschland traditionell zu den konservativen Stimmen in der internationalen Politik. Die Lobbyarbeit der Industrie, die vor allem bei Entscheidungsträger:innen der Union auf fruchtbaren Boden stößt, verhinderte in der Vergangenheit beispielsweise strengere Abgasnormen auf europäischer Ebene[16]. Diese Fortschrittsverhinderung droht, sich nun zu rächen: Die Ursprungsnation der individuellen Massenmobilität ist auf dem Zukunftsmarkt der E-Mobilität abgehängt, es fehlt sowohl an vernünftigen Produkten zu angemessenen Preisen als auch an der entsprechenden Nachfrage[17]. Die flächendeckende Elektrifizierung unseres Transportwesens ist maßgeblich durch zweierlei Engpässe eingeschränkt: Zum Einen fehlt es an einer standardisierten und landauf wie landab verfügbaren Ladeinfrastruktur[18], zum Anderen sind die verbauten Energiespeicher schlicht zu teuer[19].

Diese Schlüsselprobleme kann eine verantwortungsbewusste Politik nicht mehr einer Lösung des freien Marktes überlassen. Einheitliche Handystecker wurden durchgesetzt[20], jetzt sind die Autos dran. Starkstromnetze gibt es im gesamten Land. Der Zugang zu ihnen ist nötigenfalls auch durch staatliche E-Tankstellen zu gewährleisten. Es muss zudem eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe werden, zukunftsorientiert und zielstrebig Energiespeicher zu entwickeln, sowie ihren Absatz zu fördern. Damit ließe sich gleichzeitig auch das zentrale Problem der Energiewende auf dem Elektrizitätsmarkt angehen: Erneuerbare Energien wie Wind und Sonne sind zwar reichlich vorhanden, können jedoch selten kontinuierlich genutzt werden. Mit entsprechend dimensionierten Stromspeichern könnte auch tagsüber generierte Solarenergie abends das Licht und den Fernseher betreiben. Der überspitzt-kritische Slogan „Elektroautos haben ihren Auspuff nur woanders“[21] würde zudem durch einen größeren Anteil regenerativer Energien am Strommix entkräftet. Gleichwohl dürfen die Kosten hierfür nicht wie bisher vornehmlich von den privaten Verbraucher:innen getragen werden[22]. Vielmehr ist der Staat in der Pflicht, durch die EEG-Umlage entstandene Überschüsse und Mehreinnahmen[23] ihrem ursprünglichem Zweck zurückzuführen und Deutschland wieder zum Innovationsstandort der Weltspitze zu machen.

 

Heizung

Rund drei Viertel des Energiebedarfs von Privataushalten besteht aus Raumwärme[24]. Damit gibt es in diesem Sektor ein enormes Einsparungspotenzial. Die Herangehensweise, um das Ziel zu erreichen ist bisher jedoch fragwürdig. Ein häufiger Vorwand für Luxussanierungen von Mietwohnungen und damit einhergehende Gentrifizierung ist die gesetzlich privilegierte Wärmedämmung[25]. Hierbei wird eine uns alle angehende Aufgabe auf die Schultern der schützenswertesten Mitglieder unserer Gesellschaft abgewälzt. Einseitig die Vermieter:innen begünstigend wird ein privatrechtliches Instrument geschaffen, der Staat stiehlt sich aus seiner Verantwortung.

Statt also Anreize für eine diskriminierende Problemlösung im Kleinen zu setzen ist es an der Zeit, groß zu denken. Ein Ansatz, Gebäude zeitgemäßer zu erwärmen liegt dabei unter unseren Füßen: Die Geothermie bietet die Chance, über die Hälfte, der bundesweit benötigten Heizenergie zu liefern — und das weitestgehend klimaneutral[26]. Freilich ist auch diese Technik nicht risikofrei, Bodensenkungen und Mikroerdbeben waren schon im Zusammenhand mit Bohrungen zu verzeichnen[27]. Dies ist allerdings kein Grund, gänzlich auf geothermische Wärmeerzeugung zu verzichten. Vielmehr ist sie behutsam und auf weitreichenden Forschungsergebnissen fundiert auszubauen. Dies ist in privater Hand nicht eindeutig zu gewährleisten. Wiederum bedarf es eines staatlichen Vorgehens, das zunächst konsequent Forschungsvorhaben fördert. Dann, aber auch erst dann, wenn sichere Standorte für die Nutzung der natürlichen Wärme der Erde gefunden sind, bietet die Geothermie warme Wohnungen mit gutem Gewissen.

In der Zwischenzeit sind auch Lösungen wie eine energetische Sanierung von Altbauwohnungen probates Mittel, um den Ressourcenhunger zu lindern. Jedoch braucht es hierbei Bedacht und Augenmaß, um sozial unfaire Auswüchse zu verhindern. Als ersten Schritt sollte den Vermieter:innen bei Modernisierungen die Verteuerung der Wohnungen durch gleichzeitig durchgeführte aufwertende Maßnahmen verboten werden. Zudem bedarf es einer Schlichtungsstelle, an die sich alle Parteien zur Konfliktlösung wenden können.

 

Fazit

Der Klimawandel geht uns alle an, niemand bleibt vor seinen Folgen gefeit. Kleine Schritte in die Richtung eines nachhaltigeren Konsums kann ein:e Jede:r von uns täglich gehen. In Anbetracht der Dimension des Problems bedarf es bloß auch eines beherzten staatlichen Agierens. Das ist nicht nur unsere moralische Pflicht gegenüber den Erdenbürger:innen, die am härtesten von den immer extremeren klimatischen Bedingungen betroffen sind. Außerdem ist es zwingend notwendig, um die Zukunftsfähigkeit des Industrie- und Innovationsstandorts der Bundesrepublik zu sichern. Bei allem Mut zum Umbruch muss allerdings auch die soziale Fairness in der Veränderung beachtet werden. Die Grünen haben gerade zwei Realos an die Parteispitze gewählt[28]. Es ist daher zu erwarten, dass sie gerade bei Besserverdienenden auf Stimmenfang gehen werden. Somit liegt es mehr denn je an uns Sozialdemokrat:innen, nachhaltiges Verhalten für alle zu ermöglichen und zu fördern. Das schulden wir den kommenden Generationen.

 

[1] https://www.destatis.de/DE/Publikationen/WirtschaftStatistik/2015/01/OekologischerKonsum_012015.pdf?__blob=publicationFile

[2] https://www.verivox.de/eeg-umlage/

[3] http://www.spiegel.de/wissenschaft/uebermorgen/bio-industrie-sind-regionale-bio-lebensmittel-nachhaltiger-a-1082571.html

[4] https://link.springer.com/article/10.1065/espr2005.05.252

[5] http://nachhaltig-sein.info/privatpersonen-nachhaltigkeit/wirkung-von-lebensmittel-transporten-auf-umwelt-infografik

[6] http://www.wwf.de/?id=8793

[7] http://www.taz.de/!5113177/

[8] https://www.traktorpool.de/blog/allgemein/strukturwandel-in-der-landwirtschaft-wachse-oder-weiche/

[9] https://www.ugb.de/ernaehrungsberatung/fleisch-wie-viel-ist-gesund/?fleisch-purine

[10] https://www.bzfe.de/inhalt/saisonzeiten-bei-obst-und-gemuese-3130.html

[11] https://www.bzfe.de/_data/files/3488_2017_saisonkalender_posterseite_online.pdf

[12] https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/daten-zur-umwelt-zeigen-verkehr-beim-klimaschutz

[13] https://www.umweltbundesamt.de/daten/verkehr/emissionen-des-verkehrs#textpart-1

[14] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/70404/umfrage/pendler-nach-entfernung-zwischen-wohnung-und-arbeitsstaette/

[15] https://www.verkehrsrundschau.de/nachrichten/strassengueterverkehr-waechst-um-2-8-prozent-1616453.html

[16] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutschland-gegen-strengere-co-grenzwerte-das-dreisteste-was-ich-in-acht-jahren-bruessel-erlebt-habe-1.1707369

[17] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/elektromobilitaet-deutschland-hinkt-deutlich-hinterher/19199348.html

[18] http://www.zeit.de/mobilitaet/2016-10/elektromobilitaet-elektroautos-strom-aufladung-infrastruktur

[19] https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/2814-rtkl-elektromobilitaet-was-elektroautos-so-teuer-macht

[20] http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/handy-ladegeraete-eu-parlament-legt-einheitlichen-standard-fest-a-958491.html

[21] https://fdpovksn.wordpress.com/2017/09/14/elektroautos-haben-den-auspuff-nur-woanders/

[22] http://iwr-institut.de/de/presse/presseinfos-energiewende/erneuerbare-energien-werden-subventioniert-staat-zahlt-keinen-cent

[23] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/steuereinnahmen-eeg-umlage-hat-dem-staat-milliarden-eingebracht-12092743.html

[24] https://www.umweltbundesamt.de/daten/energie/energieverbrauch-nach-energietraegern-sektoren

[25] http://www.taz.de/!5068389/

[26] http://www.sueddeutsche.de/wissen/geothermie-unter-unseren-fuessen-1.3747216

[27] https://www.planet-wissen.de/technik/energie/erdwaerme/pwiechancenundrisikendergeothermie100.html

[28] https://www.tagesschau.de/inland/gruene-vorsitz-105.html

 

Auch zu diesem Silvester wurde in Deutschland das neue Jahr wieder gebührend eingeläutet. Und da gehört neben Sekt, Raclette und Dinner for One bei den meisten auch das Feuerwerk dazu. „Wieso auch nicht?“, werden sich viele fragen. Natürlich schauen die explodierenden Feuerwerkskörper in der Dunkelheit wunderschön aus und irgendwie wäre ein Silvester ohne Feuerwerk auch kein Silvester. Den Ursprung dieser Tradition, das Vertreiben böser Geister durch lautes Knallen, kennt dahingegen fast niemand mehr.

Mir kam es dieses Jahr so vor, als würde „das Schießen“ überhaupt kein Ende mehr nehmen. Die ersten Knallkörper explodierten bereits um 23:30 Uhr und um 4 Uhr früh konnte man das Knallen immer noch hören. Das verwundert nicht, wenn man sich anschaut, wie viel Geld jedes Jahr für das Silvesterfeuerwerk ausgegeben. Das Umweltbundesamt spricht von 100 bis 200 Millionen Euro, die in Deutschland an Silvester jährlich in die Luft geschossen werden. In diesem Jahr waren es nach bisherigen Berechnungen um die 137 Millionen Euro.

Was für uns Menschen ein teures, aber schön anzusehendes Vergnügen ist, ist für Tiere jedoch purer Stress. Der deutsche Tierschutzbund warnt daher öffentlich vor den Risiken für Haus-, Hof- sowie Wildtiere. In einigen Fällen sei es sogar nötig, vom Tierarzt Beruhigungsmittel für Hund, Katze, Meerschwein und Co. verschreiben zu lassen. PETA weist vor allem auf die Gefahren für Wildvögel hin. Durch das grelle Licht und die lauten Geräusche werden die Vögel oft in Panik versetzt und fliehen teilweise in für sie ungewöhnliche Höhen. Diese kräftezehrende Reaktion sitzt ihnen noch Tage danach in den Knochen und vermindert die Überlebensfähigkeit der durch den Winter ohnehin schon geschwächten Tiere. Zudem rufen Blitze, Lichter und Rauchschwaden enorme Orientierungslosigkeit hervor und die Vögel können Hindernissen oft nicht mehr ausweichen.

Doch auch für viele Menschen wird das ausgelassene Feiern des neuen Jahres häufig zur Tortur. Vor allem durch Böller und Raketen verursachten Unfälle häufen sich zu Silvester. Verletzungen der Augen und Ohren, Verbrennungen, zahlreiche Amputationen bis hin zu Todesfällen sind das Ergebnis von illegalen oder falsch gezündeten Feuerwerkskörpern. Dagegen wirken die gereizten Augen und Atemwege, die durch den beißenden Rauch, im Endergebnis rund 5.000 Tonnen Feinstaub, der Raketen und Böller hervorgerufen werden, fast schon harmlos. Doch für Menschen mit Asthma oder Herzkreislauferkrankungen kann diese Nebenwirkung des Feuerwerks schnell schwerwiegende Folgen haben, was die Zahl der Einlieferungen in Krankenhäusern in der Neujahrsnacht bestätigt. Die freigesetzte Menge an Feinstaub beträgt laut Umweltbundesamt 17% der Menge, die jährlich durch den Straßenverkehr abgegeben werden.

Und letztlich verursachen die Knallkörper jede Menge Müll und Dreck. Allein in München wurden laut TZ 60 Tonnen Silvester-Müll aufgesammelt. Im Vorjahr waren es noch 10 Tonnen weniger. Zur Reinigung der Straßen müssen sehr viele Arbeiter:innen der Städte eingesetzt werden und zahlreiche Sonderschichte sind nötig.

In einigen Ländern wurde daher Feuerwerken in diesen Ausmaßen schon ein Riegel vorgeschoben. Und das mit gutem Grund, wie ich finde. Die Gefahren und Risiken für Mensch, Tier und Umwelt sind in meinen Augen viel zu hoch, als dass sie so einfach außer Acht gelassen werden könnten. In den Niederlanden zum Beispiel sind seit diesem Jahr über 50 Gemeinden feuerwerksfreie Zonen, in denen das private Zünden von Böllern und Raketen verboten ist und mit Bußgeldbescheiden bestraft wird. Damit die Bürger:innen dennoch auf ihre Kosten kommen, investiert die jeweilige Stadt in ein professionelles Feuerwerk, was viele der oben genannten Probleme mindert oder ganz beseitigt. Auch in Australien ist dieses Vorgehen schon seit Jahren gängige Praxis. Auch in Deutschland wäre das ein Schritt in die richtige Richtung, wenn im Privaten nur noch Korken knallen würden.

 

Quellen:

www.tz.de/muenchen/stadt/altstadt-lehel-ort43327/silvester-sauerei-so-viel-muell-blieb-auf-strassen-liegen-9492084.html

www.peta.de/feuerwerk#.Wkt14fnibZY

www.tierschutzbund.de/aktion/mitmachen/verbrauchertipps/silvester/

www.umweltbundesamt.de/themen/feinstaub-durch-silvesterfeuerwerk

www.umweltbundesamt.de/themen/dicke-luft-jahreswechsel

de.statista.com/statistik/daten/studie/284913/umfrage/umsatz-der-deutschen-pyrotechnischen-industrie/

www.nrz.de/panorama/niederlaendische-staedte-verbieten-private-silvester-feuerwerke-id11336267.html

www.fr.de/wissen/klimawandel/umwelt/feuerwerk-der-zuendstoff-fuer-die-umwelt-a-1416752

www.spiegel.de/panorama/silvester-unfaelle-durch-boeller-und-silvester-fondue-a-1185749.html

(letzter Aufruf am 2. Januar 2018)

 

Wie schnell ein Aufschrei doch verklingen kann.

Vor zwei Wochen hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt mit seiner  nicht abgesprochenen Zustimmung zur Verlängerung der Einsatzzeit des Unkrautvernichters Glyphosat landesweit für Aufsehen gesorgt.
Wirkliche Konsequenzen haben sich bislang jedoch nicht eingestellt. Weder hat Schmidt seinen Posten geräumt, noch ist die Umweltministerin Barbara Hendricks aus Protest zurückgetreten. Selbst die Kanzlerin, die vorgibt, von Schmidts Vorgehen im Vorfeld nichts gewusst zu haben, gibt sich gnädig und belässt ihren Minister im Amt.

Mit seiner Zustimmung hat der Minister eine nachhaltige Schädigung von Mensch und Natur in Kauf genommen. Vermutlich erst in einigen Jahren werden wir die wirklichen Auswirkungen von Glyphosat zur Gänze erforscht haben, wenn überhaupt. In einem Punkt sind sich die meisten Forscher*innen aber einig: Nämlich dass es definitiv gesundheitsschädlich ist. Wie kann ein vernünftig denkender Mensch auf die Idee kommen, eine derartige Ungewissheit in unser Leben zu holen?
Wenn ein Medikament zugelassen werden soll, dann muss es zuerst dutzende von Tests durchlaufen, damit zweifelsfrei bewiesen werden kann, dass es keine schädlichen Nebenwirkungen auf den menschlichen Organismus entwickeln kann.
Das kostet Zeit und eine Menge Geld. Das ist aber auch genau richtig so, schließlich geht es um unsere Gesundheit.
Glyphosat hat solche Tests nicht durchlaufen.
Trotzdem nehmen wir es ständig zu uns. Das Pestizid ist in der Nahrung und teils auch in der Luft. Wenn Glyphosat wirklich krebserregend ist, wie Teile der Forschung überzeugt sind, dann  setzen wir uns unfreiwillig einem Gift aus.
Und das nur um das Gewinnstreben des Chemiegiganten Monsanto nicht zu behindern. Denn genau darum geht es hier eigentlich: Der Agrarkonzern profitiert erheblich von seinem Produkt Glyphosat und würde natürlich gerne weiterhin satte Gewinne einfahren.
Dass Konzerne wie Monsanto nicht unbedingt das Wohl von Mensch und Natur in den Mittelpunkt stellen, ist inzwischen vermutlich jedem*r klar geworden.
Erschreckend ist, wie groß mittlerweile ihr Einfluss auf die Politik in Deutschland geworden ist.
Politiker*innen die ihren Auftrag, die Wähler*innen zu vertreten nicht ernst nehmen, und lieber die Interessen der Wirtschaft zu wahren versuchen, sind keine Volksvertreter*innen, sondern Lobbyisten.
Ein Minister, der sein Amt derart missbraucht, hat nicht die Legitimität zu regieren, geschweige denn die Bürger*innen Deutschlands zu vertreten.
Eine bloße Rüge der Kanzlerin ist für die Schwere des Vergehens nicht angemessen. Angemessen ist auch nicht die bloße verbale Konfrontation der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Sie hätte diesen massiven Vertrauensbruch mit ihrem eigenen Rücktritt beantworten sollen. Das Blatt hat sich scheinbar gewendet. Merkels Dauerstrategie, Skandale auszusitzen scheint wie immer aufzugehen. Doch die Wähler*innen sind nicht dumm. Sie werden es nicht vergessen.
Die Glaubwürdigkeit beider Regierungsparteien steht auf dem Spiel.

Frau Merkel, wenn Sie verhindern wollen, dass Ihrer Regierung mehr und mehr das Vertrauen entgleitet, dann ziehen sie Konsequenzen, dann entlassen Sie Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt.

 

Gestern hat Passau, als erste Stadt in Niederbayern, beschlossen, keine Flächen mehr an Zirkusse zu vergeben, welche Auftritte mit Wildtieren anbieten. Den Mut zu diesem begrüßenswerten Schritt hatte der Stadtrat von Regensburg leider nicht – hier scheiterte kürzlich ein ähnlicher Antrag im Stadtrat. Wieso Regensburg und weitere Städte Bayerns gut daran täten, es Passau gleich zu tun, soll nachfolgender Beitrag aufzeigen.

Wieso ein Tierverbot?
Unter der bunten Haube des Zirkuszelts können in Deutschland bislang Aufführungen mit Tieren bestaunt und bejubelt werden. Die als Unterhaltung, teils sogar als Kulturveranstaltung, deklarierte Zurschaustellung von „Kunststücken“ mit Tieren findet jedoch massiv auf Kosten der gehaltenen Tiere statt. Beginnend mit der Dressur, die stets mit Gewalt und Zwang einhergeht und dem Zweck dient, den freien Willen des Tieres schnellstmöglich zu brechen um eine Nutzbarmachung für die Aufführungen zu gewährleisten, steht dem Tier eine grauenhafte Karriere in der Manege bevor. Die hierfür verwendeten Instrumente, wie Maulkörbe, Elefantenhaken, Elektroschocker, Peitschen und Stöcke, verdeutlichen den Ton des Umgangs. Häufig werden, besonders bei Wildkatzen, gleichzeitig Medikamente eingesetzt, um die Handhabung zu erleichtern. Das Prinzip „Zeit ist Geld“ gilt im Zirkus in besonderem Maße: Je schneller ein Tier gefügig und willenlos gemacht werden kann, umso höher die Rendite – und entsprechend erklärt sich auch das Arsenal an Folterinstrumenten, die, im Gegensatz zu einem friedlichen und würdevollen Umgang, ein effizientes Mittel zur raschen Herstellung des gewünschten Zustands, namentlich der Gefügigkeit, darstellen.
Sind die Tiere „dressiert“, was gleichbedeutend mit „gebrochen“ oder „willenlos“ ist, so folgen Auftritte in der Manege. Hier werden unnatürliche Darbietungen gefordert, wie das Stehen von Elefanten auf zwei Beinen oder dem Springen von Wildkatzen durch Feuerringe. Das ständige Johlen des Publikums, die Angst vor dem Dompteur und der Druck, ausgelöst durch Schmerz und Futterentzug, bedeuten für das Tier stets Qualen und Leid. Findet gerade keine Vorstellung statt, so verbringen die Tiere die Zeit in engen Käfigen am Auftrittsort oder auf LKWs. Elefanten, die sonst kilometerlange Wanderungen mit ihrer Herde unternehmen, werden an zwei Beinen angekettet auf engstem Raum gehalten. Natürliches Verhalten wie Klettern, Sprinten, Graben oder schwimmen wird dauerhaft unterbunden. Daraus entwickeln sich unnatürliche Verhaltensweisen, wie das monotone Weben bei Elefanten oder Laufstereotypen bei Wildkatzen. Im Winter, wo meist keine Vorstellungen stattfinden, gestaltet sich das Leben der Tiere nicht besser. Hier verbringen sie die meiste Zeit in Transportverschlägen, Scheunen oder sogar auf LKWs.
Sind die Tiere irgendwann durch Ausbeutung und Druck nicht mehr in der Lage, die geforderte Leistung zu erbringen, so enden sie häufig dauerhaft in den Winterquartieren und damit automatisch auf engem Raum. In manchen Ländern ist es gar möglich, die Tiere an Jagdfarmen zu verkaufen, um dort von einem zahlenden Kunden erschossen zu werden.
All dieses Leid folgt einem Automatismus, aus dem Zirkusse, selbst wenn sie gewillt wären, nicht ausbrechen könnten. Schließlich leiden die meisten der rund 350 Wanderzirkusse in Deutschland an chronischer Geldnot. Entsprechend verfügen sie auch nicht über die finanziellen Mittel, um größere Käfige, schonendere Dressuren oder bessere Nahrungsmittel- und Pflegequalität zu gewährleisten. Folglich ist in einem kapitalistischen System ein tierfreundlicher Zirkus nicht realisierbar, da er dem Prinzip der Gewinnmaximierung und Daseinserhaltung unterliegt. Dies gilt im Übrigen auch für große Unternehmen wie den Zirkus Krone, der eine lange und intensive Tradition der Tierquälerei pflegt.
Dennoch wäre es theoretisch möglich, entsprechende gesetzliche Vorschriften zu verabschieden, welche die Ausbeutung von Zirkustieren einschränkt und Tierquälerei unterbindet. Wieso dieser Ansatz keine Lösung des Problems darstellt, zeigt der folgende Absatz auf.

Keine wirksamen Kontrollmechanismen
In Deutschland wird die Haltung von Zirkustieren durch die örtlichen Veterinärämter überprüft. Da sich Zirkusse jedoch meist nur kurz am selben Standort aufhalten, ist eine flächendeckende Überprüfung durch Ämter unmöglich. Mit einem Standortwechsel geht meist auch ein Wechsel der zuständigen Behörde einher, was Kontrollen massiv erschwert. Gleichzeitig verfügen die meisten Behörden über keinerlei ausgebildetes Fachpersonal, das für die ordnungsgemäße Kontrolle von Wildtieren geeignet wäre. Und selbst bei erfolgter Kontrolle wird häufig von Maßnahmen wie der Beschlagnahmung von Tieren abgesehen, da es kaum Auffangstationen für Zirkustiere gibt und nur wenige Zoos bereit sind, die meist verhaltensgestörten Tiere bei sich aufzunehmen. Die Ohnmacht ist den Veterinär*innen selbst bewusst, weshalb sich die Bundestierärztekammer auch für ein Verbot von Wildtieren in Zirkussen ausspricht.
Die Unwirksamkeit der Kontrollen kann auch daran abgelesen werden, dass Elefanten beispielsweise im Mittel nur die Hälfte ihres natürlichen Lebensalters erreichen, wenn sie in Gefangenschaft im Zirkus ihr Dasein fristen müssen.
Entsprechend stellen gesetzliche Vorschriften keine Lösung des Problems der Tierquälerei in Zirkussen dar, solange sie nicht generell ein Verbot von Tieren in Zirkussen bedeuten.

Andere haben es bereits verstanden
Es ist bei Weitem keine Selbstverständlichkeit, dass Tiere in Zirkussen erlaubt sind. In Dänemark, der Niederlande, Österreich, Belgien, Costa Rica, Israel, Paraguay und vielen weiteren Ländern herrscht ein Wildtierverbot für Zirkusse. In Griechenland, Honduras, Bolivien, Zypern und Kroatien sind Tieraufführungen in Zirkussen generell verboten. Demnach weisen einige Länder der Welt eine deutlich fortschrittlichere Gesetzgebung auf als Deutschland. Sie alle haben erkannt, dass Tierquälerei in diesen Unternehmen nicht kontrolliert oder sanktioniert werden kann. Entsprechend wurden die logischen Konsequenzen gezogen. Dieser Weg steht auch Deutschland offen.
Im Übrigen sprach sich der deutsche Bundesrat bereits 2003, 2011 und 2016 für ein Wildtierverbot in deutschen Zirkussen aus. Ein entsprechendes Gesetz wurde von der Bundesregierung dennoch nicht erlassen.
In Bayern sprach sich die CSU-Landtagsfraktion gegen ein entsprechendes Verbotsgesetz aus, da es die Berufsausübungsfreiheit der Zirkusbetreiber beeinträchtigen würde. Wie weit es mit dem Verständnis über die Freiheit der Zirkustiere bei der CSU offenbar ist, kann daran abgelesen werden.
Entsprechend ergibt sich die Notwendigkeit, sich auf Bundesebene für ein Verbot von Tieren in Zirkussen einzusetzen. Im Übrigen sollte man sich hierbei nicht nur auf Wildtiere beschränken, da artgerechte Unterbringung, gute Behandlung und Gewährleistung von Kontrollen auch bei heimischen Tieren nicht garantiert werden können. Bis dahin steht es den Städten, Kreisen und Kommunen frei, es Passau gleich zu tun. Das Echo der Bevölkerung ist im Übrigen positiv: Rund zwei Drittel der Bürger*innen befürworten ein solches Verbot.