Mehr Wohnraum wagen – auch in Niederbayern

Im Bundestagswahlkampf haben wir mit der SPD viel über das Thema bezahlbares Wohnen gesprochen. Ich habe Wohnen als eines meiner Hauptthemen für den Wahlkampf ausgewählt. Der Grund ist relativ einfach: In Stadt und Landkreis Landshut sind die Mietpreise in den letzten 10 Jahren massiv angestiegen. Viele sagen nun: „Klar ist ja direkt im Einzugsgebiet von München, da ziehen alle hin die am Flughafen oder in München arbeiten und nichts mehr in München zum Wohnen finden. Das Problem gilt aber nur für Landshut aufgrund der angesprochenen Nähe zu München.“

Fakt ist aber: Landshut ist nicht die einzige Region in Niederbayern in der die Mietpreise massiv angestiegen sind. Im Gegenteil: Das Wohnraumproblem existiert mittlerweile überall in Niederbayern. Nehmen wir als Beispiel einmal den Landkreis Straubing-Bogen. Dort stiegen die Mieten zwischen 2011 und 2020 jährlich um 5,5%.[1] Das macht also einen Anstieg von 55% in 10 Jahren und bringt dem Landkreis einen unrühmlichen 8. Platz im Ranking der Städte und Landkreise mit der höchsten Mietpreissteigerung. Oder gehen wir in eine noch etwas ländlichere Region. Im Landkreis Rottal-Inn stiegen die Mietpreise jährlich um 4,4%. Gerade für junge Menschen stellt das einen unzumutbaren Zustand dar. Viele junge Menschen fragen sich wie sie die immer weiter steigenden Mieten tragen sollen. Gerade wenn der erste Arbeitsvertrag befristet und die finanzielle Stabilität noch nicht gegeben ist. Außerdem gibt es in ländlichen Regionen häufig nicht einmal ein entsprechendes Angebot. Viele junge Menschen, die eigentlich gerne in ihrer Heimat bleiben würden, müssen wegziehen, weil mit dem ersten Gehalt der Hauskauf eben einfach nicht drinnen ist. Wohnungen sucht man vergebens. Genauso schwer haben es ältere Menschen. Was ist, wenn jemand aus seinem:ihrem Haus ausziehen will, weil es zum Beispiel zu viel Arbeit macht, aber noch nicht in ein Seniorenheim möchte, weil er:sie sich noch fit genug fühlt? Die Folge ist, dass auch immer mehr alte Menschen entweder die Beschwerden des Hauses auf sich nehmen oder aus ihrer Heimat wegziehen müssen.

Niederbayern ist eine wirtschaftlich starke Region. Das ist auch gut so und soll natürlich auch so bleiben. Umso wichtiger ist es, dass die Menschen in Niederbayern gute Lebensverhältnisse vorfinden. Wenn wir uns aber weiterhin entwickeln wollen, muss etwas getan werden. Allgemein werden häufig soziale Aufgaben, die mit dem wirtschaftlichen Wachstum einer Region mitkommen nicht ernst genommen. Ich möchte dies hier an einem Beispiel festmachen: Der Landkreis Landshut hat mit dem Wasserstoffanwenderzentrum in Pfeffenhausen ein großartiges Projekt für die ganze Region erhalten. Die mediale Berichterstattung und auch was von Abgeordneten der konservativen Parteien vermittelt wurde ließ die soziale Komponente des Ganzen völlig aus. Ja so ein Projekt ist wirtschaftlich toll aber wo sollen die Menschen, die deswegen in die Region kommen wohnen? Sicher wollen auch nicht alle in den ländlichen Raum ziehen, sondern auch in die Stadt. Also muss gebaut werden. Sofort. Und nochmal zum Mitschreiben für konservative Politiker: Es ist immer besser ein Problem im Voraus zu lösen als es entstehen zu lassen und dann in Panik zu geraten. Der Markt wird dieses Problem nicht für Sie lösen. Das hat er noch nie und wird er auch nie.

Zum Wohnungenbauen in ländlichen Regionen gibt es viele tolle Möglichkeiten. Im Wahlkampf habe ich viele Projekte besichtigen dürfen, die von SPD-Bürgermeister:innen initiiert wurden. Ein Beispiel wären neben dem klassischen staatlichen Bauen zum Beispiel Wohnungsbaugenossenschaften. Die sorgen nicht nur für bezahlbaren Wohnraum, sondern die Bürgerinnen und Bürger werden direkt beteiligt. Man kann in dieser Beziehung vieles tun, wenn man es denn möchte und soziale Anliegen ernstnehmen würde. Umso wichtiger, dass Bauen jetzt ein eigenes Ministerium im Bund hat und dank der SPD nun endlich bezahlbarer Wohnraum gebaut werden soll. Aber auch auf der kommunalen Ebene müssen wir das Problem als Sozialdemokrat:innen anpacken. Das Thema ist lange kein Thema mehr für den Wahlkampf in der Großstadt es betrifft mittlerweile auch unsere ländlichen Regionen! Deswegen lasst es und jetzt anpacken und mehr bezahlbaren Wohnraum wagen!


[1] https://dserver.bundestag.de/btd/19/299/1929951.pdf

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