„Die Welt dreht durch mit dem Gender-Wahn“

Zu oft wird diese unschöne Aussage gepostet und gesagt. Vor allem durch die jetzigen Aufkommnisse des generischen Maskulinum . Der Bundesgerichthof entscheidet, dass `Kunde` für jeden Menschen ansprechend sein muss. Es gilt nicht als Diskriminierung.“ Seit 2000 Jahren werden nur die Männer angesprochen und es kam kein Problem damit auf.“Dieses Argument “ Alles bleibt so wie es ist“ hat bei mir und bei vielen Anderen noch nie gezogen. Wenn sich seit 2000 Jahren nichts geändert hätte, dann sollte Homesexualität oder Bi gar kein Problem sein, denn im römischen Reich war es egal, ob mit Mann oder Frau geschlafen wurde. Da wurde öffentlich über Sex geredet. Heute ist es oft wieder eine großes Tabuthema. Natürlich hat sich aber in anderen Bereichen sich für Frauen* auch viel verbessert. Wir dürfen in Deutschland seit 100. Jahren wählen, den Führerschein machen und studieren. Also bitte, liebe Leute, nur weil es seit 2000. Jahren so ist, heißt es nicht, dass es gut so ist.

Ein weiteres Argument waren die Kosten für die Banken, die weibliche Benennung hinzuzufügen. Klar, viele Menschen fühlen sich nicht angesprochen einzig durch die männliche Form und dadurch ausgeschlossen, aber das Geld regiert ja die Welt. Wir wollen natürlich nicht, dass Banken, die Milliarden Überschuss haben, auch noch Geld für Gleichberechtigung ausgeben müssen (ACHTUNG: Ironie).

Ich persönlich nutze Gendersprache. Ich möchte damit jeden ansprechen: Männer, Frauen und andere Geschlechter.Ich nutze, wenn möglich, die neutrale Form wie Studierende oder die Form mit Sternchen wie Arbeiter*innen, wobei ich bei dem Stern die Vielfätigkeit der Geschlechter ausdrücken will.

Ich selbst fühle mich als Kunde nicht angesprochen. Ich bin eine Kundin. Genauso wie ich eine Studentin, Tänzerin, Mitarbeiterin und alles andere bin. Mich gibt es nicht ohne in.

Die Sprache wandelt sich seit Jahrhunderten. Ich möchte, dass sie sich jetzt wieder verändert. Es ist nur ein kleines Puzzleteil für die Gleichberechtigung, aber ein Schritt, der begangen werden muss. Denn wir wollen endlich vollkommene Gleichheit.

Damit wird unsere Sprache keineswegs ungenauer. Sie wird viel präziser. Wir inkludieren jedes Geschlecht. Ich persönlich habe einen beidgeschlechtigen Namen, wobei Kim oft als männlich angesehen wird. Ich bekomme viel mehr Briefe und E-Mails mit Herrn Kim als mit Frau als Anrede. Sobald die Personen es durch meinen Mittelnamen erkennen, entschuldigen sie sich tausend Male und ich hatte auch schon den Fall, dass ich Schokolade bekam. In diesem Moment empfinden es viele als schlimm, aber bei Kunde oder Student soll ich es als selbstverständlich nehmen? Ich soll mich doch einfach angesprochen fühlen als Frau. Danke, dass Menschen entscheiden, wie wir uns als Frauen* fühlen sollen. So funktioniert dies aber leider nicht.

Marlies Krämer, ich kann nicht mehr sagen als danke. Danke, dass du für uns und mit uns kämpfst. Ich hoffe, dass das Bundesverfassungsgericht Kunde ohne Kundin als Diskrimnierung auffasst und somit nach der Anerkennung des dritten Geschlechts einen weiteren Schritt zur rechtlichen Gleichheit gehen wird.

Bis aber die vollkomme Gleichberechtigung und öffentliche Akzeptanz aller Geschlechter durchgesetzt ist, sind noch viele kleine und große Schrauben zu drehen; aber wir bleiben laut. Feminist*innen müssen die Mehrheit werden!

 

 

Über die Gründe der sinkenden Wahlerfolge sowohl der deutschen als auch der internationalen Sozialdemokratie wurde in den letzten Jahren viel diskutiert. Von den Agenda Gesetzen über eine Mangelhafte Kommunikation der politischen Erfolge bis hin zu den Herausforderungen der Globalisierung, auf die die SPD keine Antwort wüsste, wird eine große Palette an möglichen Ursachen genannt.
Ein Aspekt sticht dabei besonders heraus, auf den sich Kritiker*innen sowohl innerhalb als auch außerhalb unserer Partei schnell einigen können. Die SPD solle endlich aufhören mit dieser Minderheitenpolitik und wieder echte linke Politik für die einfachen Arbeiter*innen in unserem Land machen (Im Originalton dann aber eher ohne gegenderte Schreibweise, da auch das zu der häufig kritisierten Identitätspolitik gehören dürfte). Die Wähler*innen würden diese Politik nicht verstehen, sie hätte keinen Einfluss auf deren Lebensrealität und würden Fortschritte auf diesem Gebiet nicht honorieren.

Versteht mich nicht falsch, auch ich bin der Meinung, dass die SPD sich wieder vermehrt der Bedürfnisse der Arbeitnehmer*innen annehmen sollte. Gerade im Bereich des Arbeitsrechts und der Arbeitsmarktpolitik gibt es Bereiche, die dringend reformiert werden müssen. Hier seien exemplarisch nur befristete Arbeitsverträge und das unsägliche System der Leiharbeit genannt.
Für mich steht ein Engagement in diesem Bereich aber in keinem Gegensatz zu den Bemühungen, die Diskriminierungen in anderen Lebensbereichen abzubauen. Vielmehr wird durch diese Behauptung, ein künstlicher Gegensatz aufgebaut, der einer genaueren Betrachtung nicht standhält.
Zum einen geht er von einem sehr eindimensionalen Menschenbild aus. Ein Mensch, eine Wählerin oder ein Wähler kann immer nur entweder einfacher Arbeiter oder einfache Arbeiterin sein und daher von einer arbeitnehmer*innenfreundlichen Politik profitieren. Oder er oder sie ist Akademiker*inn, setzt sich für Minderheitenrechte ein und versucht die Umwelt im Bereich des Möglichen zu schonen. In der Realität lassen sich die allermeisten Menschen aber nicht starr in diese Kategorien einordnen, sondern vereinen viele Merkmale in sich. Auch ein 50 jähriger Arbeiter kann homosexuell sein oder hat eine transsexuelle Tochter, deren gesellschaftliche Diskriminierung er verhindern möchte. Auch ein 25 jähriger studierter Berliner Hipster ist froh, wenn er nicht als Scheinselbstständiger in einem Start UP ausgebeutet wird und stattdessen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall erhält.
Besonders deutlich wird diese Untrennbarkeit von Arbeiter*inneneigenschaft und Zugehörigkeit zu einer besonders zu schützenden Minderheit aber am Beispiel der Frauen. Viele Dinge die wir heute als Selbstverständliche arbeitsrechtliche Regelungen empfinden, hätte man bei ihrer Einführung als unnütze Minderheitenpolitik abtun können. So z.B. das grundsätzliche Verbot auf Grund des AGG, im Bewerbungsprozess nach einer Schwangerschaft zu fragen. Dieses Verbot nützt der Mehrheit der arbeitenden Männer nicht, sondern nur der Minderheit der arbeitenden Frauen.
Zum anderen wird durch die obengenannte These auf eine gefährliche Weise versucht, verschiedene Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen. Es wird suggeriert, dass politische Kapazitäten nur begrenzt zur Verfügung stünden und sich daher entschieden werden müsste, wessen Interessen vorrangig zu schützen wären. Was bei kostenintensiven Maßnahmen noch einen Rest an seriöser Argumentation darstellt wird bei einem reinen Abbau von diskriminierenden Regelungen vollends zum durchschaubaren Manöver. Anstatt an einer gerechteren Welt für alle Menschen zu arbeiten wird einem Teil der Bevölkerung, der sowieso schon unter alltäglicher Diskriminierung zu leiden hat, die Schuld für die teilweise prekären Lebensbedingungen der arbeitenden Bevölkerung zugeschoben.

Dass bei ausreichendem politischem Willen Verbesserungen in ganz verschiedenen Bereichen möglich sind zeigt gerade der Blick in die letzte Legislaturperiode. Bei aller berechtigten Kritik an der großen Koalition konnten doch mit dem Mindestlohn und der Ehe für alle doch sowohl die Arbeitnehmer*innenrechte gestärkt werden, als auch die Diskriminierung von Homosexuellen Paaren reduziert werden.
Und zum Schluss noch eine Anmerkung zu dem Vorwurf die SPD müsse durch die Abkehr von einer aktiven Minderheitenpolitik zurück zu ihren Wurzeln gelangen. Zu den Teilen unserer Parteigeschichte auf die wir zu Recht alle Stolz sind gehört der letztendlich erfolgreiche Kampf für das Frauenwahlrecht schon Ende des 19. Jahrhunderts. Daher lasst uns eine Woche vor dem 8 März, dem Welt Frauenkampftag, daran erinnern, dass der Kampf gegen Diskriminierung und für Emanzipation ebenso zur DNA unsere Partei gehört, wie der Einsatz für Arbeiter*innenrechte.

Vor circa drei Monaten habe ich die Entscheidung getroffen, mich politisch zu engagieren und der SPD und den Jusos beizutreten. Viele haben mich gefragt, wieso ich diesen Schritt gegangen bin und was ich „da“ überhaupt will? Ausschlaggebend waren besonders die Erlebnisse und Erfahrungen, die ich im Rahmen meines Studiums der sozialen Arbeit und meines damit verbundenen Praktikums gemacht habe. Mein viertes Semester umfasste nämlich ein Praktikum im Bereich der Schulsozialarbeit an einer Mittelschule. Dort war ich unter anderem in der Betreuung tätig und zentrale Ansprechpartnerin für viele junge Menschen und deren Eltern. Im Laufe der Zeit wurde mir immer mehr bewusst unter welchem Druck viele der Kinder stehen und wie sich die gesellschaftlichen Ungleichheiten auf sie und ihr Leben auswirken. Beispielsweise haben viele der Jugendlichen kaum Motivation einen guten Schulabschluss zu erreichen, da ihnen vermittelt wird, dass man mit einem Mittelschulabschluss im Leben eh nichts erreichen kann. Die Kinder leiden sehr darunter, dass ihnen durch unser abstufendes Schulsystem vermittelt wird, sie wären schlechter als andere und in der untersten Stufe der Gesellschaft. Unser Bildungssystem bietet eben nicht die gleichen Chancen für jedes Kind, da Kinder, die sich dafür schämen müssen eine Mittelschule zu besuchen, für mich nicht die gleichen Chancen haben, wie Schüler:innen eines Gymnasiums. Sie haben durch ihren von der Gesellschaft als schlecht befundenen Mittelschulabschluss eben nicht die Möglichkeit sich ihren Beruf frei auszuwählen, wie es immer heißt.  Die meisten der Schüler:innen waren froh, dass sie überhaupt mit einem qualifizierenden Mittelschulabschluss für eine Ausbildung zugelassen wurden und das zeugt für mich nicht von einem auf Chancengleichheit beruhendem Bildungssystem. Genauso wenig wie die zahlreichen Formen von Förderschulen. Einige der Grundschulkinder in meinem Praktikum, welche zusätzliche Förderung benötigten, wurden schnell an die ortsnahe Förderschule übermittelt, da an der sogenannten Regelschule nicht die Kapazität bestand, dem Kind die benötigte Unterstützung zu geben. Die Lehrer:innen oder auch Pädagog:innen begründeten ihre Entscheidung immer gleich: Es ist besser für das Kind, wenn es speziell gefördert wird. Dieser Aussage kann ich auch nicht widersprechen, jedoch müssen sie dafür nicht getrennt von den anderen Kindern sein. Weiterhin führt diese Entscheidung oftmals dazu, dass das Kind womöglich nicht mehr die Möglichkeit hat überhaupt einen Schulabschluss zu erreichen, da über ¾ der Schüler:innen der Förderschule ohne Schulabschluss die Schule verlassen und somit in unserer Gesellschaft nur selten die Chancen haben sich einzubringen. Auch das hat für mich nichts mit Chancengleichheit zu tun und brachte mich immer mehr dazu etwas ändern zu wollen. Die Jusos fordern hier ein einheitliches Schulsystem für alle Schüler:innen, was meiner Meinung nach die aufgezählten Probleme verhindern kann.

Zudem begann ich je älter ich wurde immer mehr die Ungleichheiten zwischen Mann und Frau und die bestehenden Geschlechterzuschreibungen zu spüren. Noch immer verdienen Frauen weniger als Männern, noch immer sind fast ausschließlich Frauen in der durch den Kapitalismus stark vernachlässigten Care-Arbeit zuständig und noch immer werden Frauen sexualisiert und zu Objekten gemacht. Auch mein Berufsfeld, welches der Fürsorgearbeit angehört, wird verhältnismäßig schlecht bezahlt und auch hier sind hauptsächlich Frauen tätig. Für mich muss besonders in diesem Bereich noch viel verändert werden und dazu möchte ich beitragen. Die Jusos setzen sich stark für junge Frauen ein und bekennen sich als feministischen Richtungsverband, dessen Werte ich ebenso vertrete.

Was mich jedoch endgültig zu dem Entschluss gebracht hat, den Jusos beizutreten, war die Tatsache, dass sich die SPD für die Ehe für alle eingesetzt und im Bundestag für eine Abstimmung plädiert hat. Zudem waren alle der Abstimmenden der SPD für die Einführung und trugen somit zu einem wichtigen Schritt in Richtung Chancengleichheit und vor allem Demokratie bei.

Ich finde es grundsätzlich wichtig sich für mehr Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft einzusetzen. Wir sollten daher unsere Stimme als junge Menschen nutzen, da wir Einfluss auf die Gesellschaft nehmen können, in der wir aufwachsen, altern und in Zukunft leben wollen.

Seit dem desaströsen Ergebnis der SPD bei der Bundestagswahl im September werden die Rufe nach einer neuen, weiblicheren, jüngeren Partei immer lauter. Während die Parteispitze deshalb durch ganz Deutschland tingelt, um sich die Meinungen von Basis- oder Nichtmitgliedern anzuhören, um dann trotzdem fragwürdige Personalentscheidungen zu fällen, machen die Bundesjusos Nägel mit Köpfen. In einem Positionspapier fordern sie unter anderem einen festen und vor allem stimmberechtigten Juso-Platz in den geschäftsführenden Gremien und Präsidien. Es ist klar, dass es für diese Forderungen auch personelle Vorschläge geben muss, und genau diesen bringen wir auch: Mit der scheidenden Bundesvorsitzenden Johanna Uekermann haben wir eine hochtalentierte junge Frau am Start, die die Interessen unserer Generation nicht nur vertreten, sondern auch innerparteilich durchsetzen kann, und den politischen Betrieb dank ihrer langjährigen Erfahrung gut kennt – und zufälligerweise aus dem wunderbaren Niederbayern kommt. Ihre klare linke Linie mag vielen Genoss*innen manches Mal ein Dorn im Auge sein, aber weder können ihr Kompetenz, noch Erfahrung abgesprochen werden.

Wer ein gutes Nervenkostüm hat, dem*r sei der Post der Jusos auf ihrer Facebookseite ans Herz gelegt. Die Kommentare darunter zeigen wieder einmal den in dieser Partei noch immer verankerten Sexismus. Während es kommentarlos oder sogar hocherfreut hingenommen wird, wenn ein Posten nach dem anderen mit einem weißen männlichen niedersächsischem Seeheimer nach dem anderen besetzt wird, ist eine einzige junge Frau im Parteivorstand scheinbar schon zu viel des Guten. Wann werden die Positionen endlich nach Kompetenz besetzt? wird dort gefragt, und was zur Hölle soll diese junge Dame dazu befähigen, im Parteivorstand stimmberechtigt mitentscheiden zu dürfen? Wo soll das denn hinführen, wenn da plötzlich junge Frauen die männlichen Strukturen aufbrechen und vielleicht sogar dafür sorgen, dass diese Partei wieder Wahlen gewinnen kann? Und was fällt diesen Jusos eigentlich ein, etwas einzufordern, nachdem sie acht Wochen lang bei Wind und Wetter Plakate geklebt, Infostände betreut, und nächtelangen Kneipenwahlkampf gemacht haben?

An einem Punkt haben diese „Kritiker*innen“ vermutlich recht: Die Ämter dieser Partei sollten nach Fähigkeiten und Inhalten besetzt werden. Die Frauenquote ist schließlich eine der wenigen Regelungen, die darauf abzielt, sich selbst abzuschaffen. An diesem Punkt sind wir aber noch lange nicht – offensichtlich. Solange ausschließlich Frauen auf herablassende Weise als Dame bezeichnet werden (und nein, ihr meint das nicht respektvoll, egal wie sehr ihr euch herausreden wollt) und nur bei ihnen davon ausgegangen wird, dass sie inkompetent seien, während jede männliche Besetzung vollkommen in Ordnung ist, sind wir von der Abschaffung der Quote Lichtjahre entfernt. Nur mal so zur Info: Dass Lars Klingbeil seinen politischen Schwerpunkt auf die Zukunftsthemen Netzpolitik und Digitalisierung gelegt hat, ist für die meisten völlig ausreichend, um über die ständige Reproduktion der alten Strukturen (und deren Außenwirkung) hinwegzusehen und die eigenen Forderungen und Vorhaben über Bord zu werfen. Andererseits lassen vier Jahre Juso-Bundesvorsitz, etliche Jahre im Bezirks- und Landesvorstand, hervorragende inhaltliche Arbeit für Schüler*innen, Auszubildende und Studierende und dabei insbesondere für Frauen, die Vernetzung von Funktionär*innen auf Kreis- und Unterbezirksebene oder die erste professionalisierte Jugendwahlkampagne scheinbar nicht auf Kompetenz schließen. Eure scheinheiligen sexistischen kackbeschissenen Double Standards kotzen mich an.

Ein weiterer Kritikpunkt ist außerdem kurz zu nennen: Woran bemisst sich denn diese angeblich bei Frauen grundsätzlich nicht vorhandene Kompetenz? Nach dem männlichen Bauchgefühl? Aufnahmeprüfungen?

Ein ganz besonders „traumschönes“ Argument durfte ich mir übrigens von einem Genossen anhören, dessen Zugehörigkeit zu einer bestimmten Strömung in dieser Partei ich mit keinem Wort als angedeutet verstanden haben möchte. Laut diesem (alten weißen) Mann ist die Frauen- bzw. Geschlechterquote unfair, schließlich seien nur um die 30 Prozent der Parteimitglieder weiblich, ergo dürfen Frauen auch nur auf maximal 30 Prozent der Ämter Anspruch erheben.

 

 

 

 

 

Oh, Entschuldigung. Leider konnte ich nicht weiterschreiben, da mein Facepalm beide Hände in Anspruch genommen hat. Diese „Logik“ dürfte unter den Top 3 der dümmsten Dinge sein, die ich dieses Jahr gehört hab – und das, obwohl Donald Trump der Präsident der USA ist und ziemlich oft ziemlich dumme Sachen sagt. Es ist kein Geheimnis, dass die Gruppe der Frauen, die statistisch gesehen meist sozialere Ansichten haben als Männer, die vielversprechendste Wähler*innengruppe für die SPD ist. Trotzdem erreichen wir sie nicht. Im Wahllokal selbst entscheiden sich am Ende viele für die Union, statt für die SPD – schlicht und ergreifend, weil bei der Union eine Frau an der Spitze steht und der Gesamteindruck dadurch weiblicher ist (bei der U-NI-ON!). Auch ich habe Freundinnen, die mit der SPD nichts anfangen können, und trotzdem sagen, dass sie bei der nächsten Wahl in erster Linie nach Geschlecht wählen werden, um einen weiteren testosteronüberladenen Herren an einem Tisch neben Männern wie Trump oder Putin zu verhindern – egal, ob die Kandidatin für die SPD oder die Union antritt.

(Newsflash: Das ist kein Sexismus. Sexismus beinhaltet Machtgefälle, die von Frau zu Mann schlicht nicht existieren. Es ist also höchstens eine Beleidigung. Genau genommen nicht einmal das, wenn man das Thema dieses Beitrags bedenkt.)

Durch das ständige Auftreten als Altherrenpartei arbeiten wir also aktiv gegen einen Wahlsieg. Das muss man als angebliche Volkspartei erst einmal schaffen. Natürlich könnte man sich bei der Besetzung von Ämtern auch an der Zusammensetzung der Gesellschaft orientieren, statt an den sich selbst fütternden Mitgliederstatistiken. Vermutlich würde aber bei über 50% weiblich besetzter Ämter manch ein Mann aufgrund des drohenden Verlusts seiner Privilegien zusammenbrechen. Gleiches gilt scheinbar auch, wenn es darum geht, Forderungen nach einer weiblicheren und jüngeren Partei durchzusetzen. Leider hält sich mein Mitleid dafür in Grenzen, was mir hoffentlich verziehen sei.

Abschließend ein paar versöhnliche Worte. Glückwunsch an Frank-Walter, Thomas, Hubertus, Martin und vorab auch an Lars für eure tollen Ämter! Ach ja und an Andrea, natürlich. Wobei – ist die überhaupt kompetent genug für den Fraktionsvorsitz?

 

 

Mehr Infos zum Positionspapier der Jusos findet ihr unter https://www.jusos.de/spderneuern/

Selten wurden Frauen* in der Film- und Fernsehwelt so emotional diskutiert, wie diese Woche.
Es begann mit der Veröffentlichung einer Studie zum Thema „audiovisuelle Diversität“, die von Forscher*innen der Uni Rostock und der malisa-Stiftung durchgeführt wurde. Diese Studie zeigt die Verhältnisse von männlichen und weiblichen Charakteren in TV- und Kinoproduktionen auf, und splittet diese Daten noch einmal in verschiedene Sparten, wie z.B. Alter und Genre, auf. Die Daten sind erschreckend: Im Schnitt kommen auf eine Frau zwei Männer, ab dem 50. Lebensjahr kommen auf eine Frau sogar acht (!) Männer. In einem Drittel der Produktionen lässt sich nicht einmal mit der Lupe eine Hauptdarstellerin finden.

Auch der Begriff des „mansplaining“ bekommt in dieser Studie ein völlig neues Gesicht: Unter den Moderator*innen und Journalist*innen liegt der männliche Anteil bei 80%, bei Expert*innen ebenfalls, und bei Sprecher*innen von non-fiktionalen Formaten sind es mal eben 96%. Männer erklären also (mal wieder), was so passiert in der Welt. Man könnte also durchaus von einer noch immer präsenten Dominanz männlicher Akteure auf dem Bildschirm sprechen. Könnte man. Außer man heißt Claus Kleber.

Dieser sieht das nämlich ganz anders. In einem Interview mit Maria Furtwängler, einer der Gründerinnen der malisa-Stiftung und damit Auftraggeberin der Studie, sowie ihres Zeichen selbst Schauspielerin, warf er ihr nicht nur vor, mit der Studie eine Agenda zu verfolgen (stellt euch das mal vor. Eine wissenschaftliche Studie, deren Ziel es ist, eine These zu untermauern oder in Frage zu stellen. Unglaublich!), sondern auch eine gesellschaftliche Umerziehung anzustreben. Aus seiner Sicht als Vater zweier Töchter, was ihn automatisch zu einem Superfeministen macht, sei Gleichberechtigung zwar wichtig, aber doch eigentlich schon lange Realität. Überhaupt habe er das Gefühl, dass Frauen die Medienwelt längst dominierten. Und schließlich gäbe es auch genügend Frauen, die lieber Sprechern zuhören als Sprecherinnen.

Wo.

Fangen.

Wir.

An.

Zuerst einmal klingeln beim Wort „Umerziehung“ einige Alarmglocken im rechten Ohr. Diesen Begriff benutzen schließlich mit Vorliebe unsere Mitbürger*innen am rechten Rand, kurz bevor sie Gendermainstreaming brüllen und auf einem Fluss aus den Tränen alter weißer heterosexueller Männer davon schwimmen. Kritische Berichterstattung ist wichtig – aber eine solche Wortwahl lässt nicht auf Kritik, sondern reinen Antifeminismus schließen.

Hinzu kommt der klassische Rechtfertigungsmechanismus namens „Ich bin ja selbst Vater von Töchtern“- das überflüssigste Argument aller Zeiten. Und zweitens, nur weil Sie einen Hund haben, kämpfen Sie nicht automatisch für Tierrechte. Wenn die Vaterschaft aus Männern wie Herrn Kleber automatisch Feministen machen würde, hätten sich vielleicht manche schon früher dazu geäußert, dass 9 von 10 Charakteren in (imaginären) Kinderserien männlich sind, und somit Mädchen kaum Identifikationsmöglichkeiten auf dem Bildschirm sehen. Dann hätten wir nicht die peinliche Frage eben jenes Herrn Klebers hören müssen, ob denn Benjamin Blümchen jetzt ebenfalls dem Gendermainstreaming zum Opfer fällt. Aber logisch, wer fordert, dass die Verteilung gerecht sein sollte, meint damit automatisch, alle männlichen Charaktere abzumähen, aus allen nur noch weibliche Rollen zu schaffen, und die wenigen männlichen Rollen auch direkt mit Frauen zu besetzen. Immer diese radikalen Feministinnen!

Interessant ist außerdem der Vorwurf der bereits realen Dominanz von Frauen in TV-Programmen. Auf eine wissenschaftliche, durchaus repräsentative Studie, die belegt, dass Frauen offensichtlich wenig sichtbar, und ab gewissen Altersgrenzen sogar unsichtbar sind, zu antworten, man hätte aber das Gefühl, dass Frauen einige Bereiche „an sich gerissen hätten“, ist wohl das mansplainigste Mansplaining aller Zeiten. Was wollen die Weiber wieder mit ihren Fakten, wenn doch ein Mann sich anders fühlt? Und das von einem der renommiertesten Journalisten des Landes wohlgemerkt.

Zu der Aussage, dass auch Frauen häufig Sprechern lieber zuhören, muss man sagen: Ja, das stimmt. Auch dazu gibt es Studien. Man könnte sich natürlich die Frage stellen, ob das daran liegt, dass hier seit Jahrzehnten Männer dominieren (sechsundneunzig Prozent sag ich da nur) und viele Menschen in den vorherrschenden patriarchalischen Strukturen Männerstimmen eine höhere Glaubwürdigkeit zuweisen. Könnte man. Aber wieso reflektieren, wenn man es sich auch einfach machen kann.

Das Fazit der Studie könnte sein, dass Frauen noch immer unterrepräsentiert sind. Könnte es. Außer man ist ein alter weißer Mann, der es einer Frau vor laufender Kamera mal so richtig zeigen kann, und dafür auch seine journalistische Integrität über Bord wirft. Dann sind das alles doch nur Hirngespinste dieser verrückten Feministinnen, die eigentlich gar keine Ahnung haben.

Das zweite weibliche Großereignis dieser Woche war die Bekanntgabe der neuen Besetzung des Doctors aus Doctor Who. Nur dass es eben keine Besetzung „des“ Doctors war, sondern „der“. Für alle nicht-Whovians ein paar kurze Vorabinfos: Der Doctor ist der Protagonist der Serie Doctor Who, die mit Unterbrechungen seit 1963 von der BBC produziert wird. Er ist ein Außerirdischer vom Planeten Gallifrey, ein sogenannter Timelord, der mit seinem Raumschiff, der TARDIS, durch Zeit und Raum reisen kann. Dabei hat er eine meist weibliche Begleitung, genannt Companion, dabei. Der Clou an der Sache ist, dass er nicht sterben kann, sondern stattdessen regeneriert, also einen neuen Körper annimmt. Praktisch, da die ersten Besetzungen inzwischen verstorben sind, und die Serie somit trotzdem am Laufen bleibt. In Großbritannien ist die Präsentation der neuen Besetzung ein großes Ereignis, das in den Zeiten vor dem Internet ein echter Straßenfeger war. Nach dem Wimbledonfinale am letzten Sonntag präsentierte also die BBC die neue Inkarnation des Doctors. Schon zuvor wurde lange darüber spekuliert, wem wohl diese Ehre, die der Verkörperung der Rolle des James Bonds in nichts nachsteht, zuteil wird. Die Wahl fiel dabei auf (*Trommelwirbel*) Jodie Whittaker. Manche kennen sie vielleicht aus der Krimiserie Broadchurch (in der übrigens der zehnte Doctor David Tennant den Ermittler spielt, ein Alien, gespielt von Olivia Colmanaus Staffel 5 Folge 1 die Ermittlerin, und der ehemalige Companion Arthur Darvill den verdächtigten Pastor), die man unbedingt gesehen haben sollte.
Lange Rede, kurzer Sinn: Für viele meist männliche Fans brach damit eine Welt zusammen. „I’m not a sexist, but the Doctor has to be male“ war da noch der harmloseste Tweet. Natürlich könnte man sagen, dass es doch nur eine Fernsehserie ist, und was da das ganze Mimimi soll. Als jemand, die diesen Beitrag gerade in ihrem Tardispullover schreibt, und dazu Tee aus einer Tardistasse schlürft (Beweisfoto folgt), kann ich aber durchaus sagen, dass das schon ein ziemlich großes Ding ist. Die Aufregung um die Besetzung kann ich deshalb nachvollziehen. Die Aufregung darum, dass es eine Frau ist, nicht.

Gerade Doctor Who war schon lange sehr fortschrittlich. Durch einige sehr progressive Schreiber (ja, Schreiber. Vielleicht ja auch bald eine Schreiberin?) wie z.B. Mark Gatiss, der auch Sherlock geschrieben und darin Mycroft Holmes gespielt hat, waren Themen wie Homo-, Inter- oder Transsexualität schon lange kein Tabu mehr. Mein persönlicher Favorit ist die Beziehung einer modernen Echsenfrau aus dem Innersten der Erde, die mit einer Menschenfrau im 19. Jahrhundert zusammenlebt. Wer das verstehen will, sollte die Serie schauen. Es war für die Meisten nur eine Frage der Zeit, bis eine weibliche Doctor vorgestellt wird. Und trotzdem stellt das für viele Männer einen riesigen Eingriff in ihre Männlichkeit und ihre Privilegien dar. Die Frauen nehmen uns alles, aber nicht den Doctor! Tja, Pech gehabt, meine Lieben. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Aufregung schnell legt. Es braucht immer etwas Zeit, um sich an eine*n neue*n Doctor zu gewöhnen. Vielleicht verfliegen die Ressentiments gegenüber Jodie Whittaker ähnlich schnell, wie die, gegenüber der letzten Besetzung. Damals fanden viele den Schauspieler Peter Capaldi zu alt.

Allerdings war es damals nicht der erste Impuls britischer Tabloids wie der Sun, Nacktbilder des Schauspielers zu veröffentlichen. Es überrascht kaum, dass mit „Oh mein Gott, man hat ihren Körper schon mal nackt im Fernsehen gesehen, sie wird alle unsere Kinder krank und lesbisch und übersexualisiert machen“-Rufen auf die Besetzung einer Frau reagiert wird.

Aber egal. Für die britische Fernsehlandschaft ist das erstmal ein riesiger Schritt nach vorn.
Und ich hoffe, dass es Claus Kleber schafft, sich diese wundervolle und so sehenswerte Serie anzuschauen, ohne in seinen antifeministischen Tränen zu ertrinken.

 

 

Mehr Infos zur Studie findest du hier: https://malisastiftung.org/studie-audiovisuelle-diversitaet/

Hier kannst du das Video zur neuen Doctor-Besetzung anschauen: http://www.bbc.com/news/av/entertainment-arts-40626273/doctor-who-s-13th-time-lord-unveiled

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Farbe bekennen! #buko16

Als feststand, dass ich am ersten Adventswochenende für die Jusos Bayern als Delegierte auf den Bundeskongress nach Dresden fahren werde, habe ich mich sehr gefreut: Konstruktives Arbeiten und Diskutieren mit Jusos aus ganz Deutschland und einfach ein tolles Wochenende mit einer super Delegation verbringen. Die Vorfreude wurde durch das Motto nur unterstützt: „Farbe bekennen. Bundeskongress 2016“. Farbe bekennen, das heißt für mich persönlich insbesondere Aufstehen gegen jegliche Art von Diskriminierung. Und eins gleich vorweg: insgesamt habe ich mir nicht zu viel versprochen. Der Bundeskongress wurde seinem Motto gerecht, hat wichtige Anträge (z. B. den Antrag aus Bayern zur Verbesserung des Berufsbildungsgesetzes oder der Antrag zur Abschaffung der „Tampon-Steuer“ aus Rheinland-Pfalz, was auch dem bayerischen Landesverband sehr am Herzen lag) beschlossen.

Auch das allzeit bereite Awareness-Team war präsent und hatte bis auf eine Sache nicht viel zu tun. Aber diese eine Sache hat für mich viel Positives überschatten und stößt mir einfach nur sauer auf: Einige Delegationen waren, im Gegensatz zur bayerischen Delegation, welche mit 17 Frauen und 13 Männern anreiste, nicht quotiert. Und damit nicht genug. Viele Redner*innen hielten es offensichtlich nicht für nötig in ihren Redebeiträgen auf eine gendersensible Sprache zu achten. Obwohl. Ich würde ihnen sogar unterstellen, sie wollten es schlichtweg nicht. Und auch nach mehrmaligem Hinweisen darauf durch das Awareness-Team änderte sich nichts. Meiner Meinung nach einfach nur ein Armutszeugnis für einen feministischen Richtungsverband!

Gekrönt wurde diese feministische Farce einiger Delegationen durch den „Trick“ eines Landesverbands, um die Quote in Bezug auf die Redner*innenliste zu umgehen. Drei Frauen traten ohne Wesentliches zur inhaltlichen Debatte beizutragen ans Mikro, lediglich um einem männlichen Genossen das Reden zu ermöglichen. Was auf den ersten Blick als solidarische und gut gemeinte Aktion wirkt, ist in Wahrheit nicht anderes als das Missachten unserer Prinzipien. Die quotierte Redeliste ist ein wirksames und daher sinnvolles Instrument zur Verbesserung der Gleichstellung in Debatten. Ein Verband, der sich diese Gleichstellung und den Feminismus groß auf die Fahnen schreibt, hat die Quotierung einfach zu respektieren! Wenn Frauen als bloßes Mittel zum Zweck ans Redner*innenpult treten, können wir Parität der Geschlechter als unseren Grundsatz gleich begraben. Daher habe ich für zukünftige Konferenzen und Kongresse der Jusos auf allen Ebenen einen Wunsch: Farbe bekennen für gelebte Gleichstellung auch in Sprache und Quotierung!

Bildquelle: www.jusos.de/sites/default/files/styles/734×234/public/20161028_buko-online-banner-webseite.png?itok=mtNs2Dfc (27.11.16)