Nun ist es endlich soweit: Die Bundesregierung hat es endlich geschafft das Thema der „Konversionstherapie“ für Menschen einer nicht-heteronormativ-sexuellen Identität auf die Tagesordnung zu setzen. Mit einem halbherzigen Verbots-Entwurf.

Bis heute existiert innerhalb der Psychotherapie die Annahme, dass Homo- wie Transsexualität heilbar wäre. Dabei verfolgen die sogenannten Reparativ- oder Konversionstherapien das Ziel, die jeweilige sexuelle Neigung abzulegen und damit ein ach so wunderbar heterosexuelles Potential zu entfalten. Wie wir alle wissen sind es vor allem religiöse Gruppen, die Homosexualität weiterhin als Krankheit und Sünde verstehen und sich gleichzeitig einen darauf runterholen: Im Buch der absoluten Wahrheit – der Bibel – wird dabei Homosexualität nicht nur als Sünde, sondern sogar als Todsünde beschrieben. Das scheint für viele weiterhin Grund genug zu sein Homosexualität als etwas Unnatürliches und Widerliches anzusehen. Die wohl für jede betroffene Person amüsanteste Stelle im bereits von mir verherrlichten Werk ist folgende (Wer sich dazu berufen fühlt diese nicht nur widerliche Position persönlich zu lesen: 3. Buch Mose, 20,12!):

„Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen.“

Ich muss zugeben: Mir selbst lief es ziemlich kalt den Rücken hinunter, während ich diese Stelle gelesen habe. Aber nicht, weil ich es in der Bibel gelesen habe, sondern weil genau solche Positionen bis heute von Menschen öffentlich vertreten werden und mit aller Gewalt versucht wird mithilfe von Therapien diese Menschen von der Absolutheit der heterosexuellen Norm zu überzeugen. In ihren Augen ist eine andere sexuelle Identität ein klares Zeichen von Schwäche und sei nur auf eine schwierige Kindheit sowie ein gestörtes Verhältnis zum Vater zurückzuführen. Im Rahmen einer Undercover-Reportage des Westdeutschen Rundfunks wurde dabei der Ablauf einer möglichen Therapie umfassend aufgedeckt: So wird beispielsweise im Rahmen einer Vergangenheitsbewältigungstherapie versucht, Möglichkeiten der Aufarbeitung der eigenen Kindheit zu finden. Im weiteren Schritt solle nun möglichst viel Zeit investiert werden um mit möglichst männlichen Männern in Kontakt zu treten und männliche Arbeiten zu erledigen. Zum mehr oder wohl eher weniger krönenden Abschluss gilt es nun Frauen zu treffen und mit ihnen Geschlechtsverkehr zu haben. Zeitgleich werden diese kruden Therapien noch religiös begleitet, da Homosexualität ja schließlich nicht von Gott gewollt sei und lediglich eine psychologische Fehlentwicklung darstelle. Von zusätzlichen anderen Späßen wie unter anderem Dämonenaustreibungen will ich gar nicht erst reden.

Dass diese widerlichen Versuche der Umpolung mehr Schaden anrichten als helfen, dürfte allen klar sein: Den Betroffenen werden Schuld, Selbsthass und Scham indoktriniert, zahlreiche Therapierte fallen danach schließlich noch tiefer und treiben sich selbst in den Suizid. Seit sehr langer Zeit wird sowohl national wie international vonseiten wissenschaftlicher und medizinischer Verbände auf diese Praktiken hingewiesen und was passiert bei uns? In Deutschland findet es nach wie vor statt: Ohne Verbote, ohne Probleme. Bis jetzt?

Am 17. Mai 2019 beschäftigte sich bereits der Bundesrat mit dieser Thematik und setzte mit seinem Beschluss ein deutliches Zeichen: Nach dessen Auffassung sollten „geeignete gesetzliche Regelungen getroffen werden, die „Konversionstherapien“ [zu] verbieten. Zu diesem Zweck sollte zum Schutz Minderjähriger ein gesetzliches Verbot in Form einer Ordnungswidrigkeit festgeschrieben werden.“[1] Eine weitere Betonung liegt darüber hinaus „in besonderer Weise“[2] auf dem Schutz Minderjähriger vor diesen Praktiken.

Ich muss zugeben, für mich ganz persönlich war dieser Beschluss ein absoluter Lichtblick. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Bundesgesundheitsministerium mit einem Referent*innenentwurf für ein neues Gesetz dazu veröffentlicht wurde. Statt den Bundesratsbeschluss weitergehender auszuarbeiten, wurden nur kleinste Schritte des konservativ geführten Ressorts gemacht: So sollen diese Konversionstherapien nach außen hin zwar verboten werden, de facto wird das aber durch die geplanten Ausnahmeregelungen gar nicht möglich sein:

„§2

Verbot der Durchführung von Behandlungen

(1) Es ist untersagt, Behandlungen im Sinne von § 1 Absatz 1

  1. an einer Person unter 18 Jahren durchzuführen oder
  2. an einer Person durchzuführen, deren Einwilligung zur Durchführung der Behandlung unter einem Willensmangel leidet.

(2) Das Verbot nach Absatz 1, Nummer 1 gilt nicht, sofern die Behandlung an einer Person mit vollendetem 16. Lebensjahr durchgeführt wird, die über die erforderliche Einsichtsfähigkeit in die Bedeutung und Tragweite der Entscheidung verfügt.“

Der vorliegende Entwurf sieht dabei unter §2 eine Ausnahmeregelung vor, die ganz klar ein „Weiter so“ der Konversionstherapie und nicht das schlicht notwendige Verbot dieser Machenschaften bedeutet. Dabei werden Minderjährige nicht ansatzweise geschützt, sondern werden weiterhin die kruden Machenschaften unter dem Argument der „Einsichtsfähigkeit in die Bedeutung und Tragweite der Entscheidung“ erfahren müssen. Der Gesetzentwurf in seiner jetzigen Form muss dringend verschärft werden: Wir brauchen kein anteiliges Verbot mit Sonderregelungen, wir brauchen die gänzliche Austrocknung dieses widerlichen Systems.

Dieses geplante Gesetz von Gesundheitsminister Spahn passt mal wieder in das wunderbar konservative Weltbild und zeigt nur eins: Der Kampf gegen die widerlichen Machenschaften der Konversionsversuche beginnt jetzt erst recht! Queer-Sein ist keine Krankheit. Queer-Sein ist das Leben!

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[1] Vgl. https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2019/0101-0200/161-19(B).pdf?__blob=publicationFile&v=1

[2] Ebd. Ziffer 6 G

Die Tour de France 2019, 176 Fahrer, ca. 3400 km, 30 Berge der höchsten Kategorien (gemessen an der Steigung), kurz gesagt das größte, schwerste und spektakulärste Radrennen der Welt. Und besonders dieses Jahr ist es wieder spannend, einer der Top Favoriten verletzt sich kurz vor der Tour und auch im Verlauf der Tour bleiben die Abstände der Top fünf sehr eng.

Wer sich jetzt denkt, nicht noch ein Beitrag zu Doping im Radsport sei ganz unbesorgt, denn darum soll es in diesem Text nicht gehen. Als ich mir einige Etappen der diesjährigen Tour angesehen habe, sind mir einige Sachen aufgefallen, die mir früher nicht so ins Auge gefallen sind und damit meine ich nicht dass das Team „Sky“ jetzt „Ineos“ heißt (erinnerte mich etwas an „Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix“). Nein, mir ist dieses Jahr einmal aufgefallen, wie stark die Tour von weißen Europäern dominiert wird. Daher habe ich mir die Frage mal gestellt, wie rassistisch der Radsport und der Sport generell ist und wie sexistisch er ist. Unter den 176 Fahrern ist nur der Franzose Nataneal Berhane als schwarzer Fahrer dabei. Woran liegt das? Diese Frage haben sich auch andere Zuschauer*innen der Tour gestellt und diese dem Kommentatoren-Team der ARD gestellt. Man merkte geradezu, wie unangenehm die Frage diesen war und wie sie die ganze Zeit versuchen, nichts Rassistisches von sich zu geben. Ihr Erklärung war, dass der Radsport in Ländern mit einem großen Anteil von schwarzer Bevölkerung nicht so beliebt ist und daher auch nur wenige Fahrer zu Verfügung stehen, um sie zu den großen Radsportrennen zu bekommen. Doch dies klingt für mich mehr nach einer Ausrede und nach einem Versuch, das unangenehme Thema und Kritik an der ohnehin die letzten Jahre stark in Mitleidenschaft genommenen Tour zu vermeiden. Ein Problem dürfte sein, dass die Tour mehr als andere Sportereignisse kapitalistisch verwertet wird. Die Teams werden von wenigen Firmen gestellt und werden dann auch nach diesen benannt. Somit steht im Vordergrund, was die Firma möchte und nicht die Bemühung um eine möglichst vielfältiges Feld. Wäre es Firmen wichtig auch schwarze Fahrer in ihrem Team zu haben, dürfte das kein Problem sein auch hier passende Fahrer zu finden und auch Jungprofis aufzunehmen und diese dann aufzubauen.

Ein zweiter Punkt ist die Frage, warum es die meisten Radsportrennen ausschließlich für Männer gibt. Frauen werden bei der Tour zwar gerne gesehen, aber wenn dann am Straßenrand oder für das obligatorische Küsschen links und Küsschen rechts für die Sieger der verschiedenen Kategorien. Zwar gab es in der Vergangenheit schon mehrfach einen Versuch, zumindest ein vereinfachtes, kürzeres Rennen für die Radsportlerinnen zu organisieren, doch wie man sieht ohne langfristigen Erfolg. In diesem Jahr versucht es eine Gruppe von Frauen, auf dieses Thema wieder mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Unter dem Slogan „donnons des elles au vélo“ („setzen wir sie aufs Rad“) fahren diese der Tour voraus, um sich der Presse zu zeigen und auch um zu demonstrieren, dass auch sie diese Distanz überwinden können.

Dass die Frauenfeindlichkeit aber nicht nur ein Problem der Tour und des Radsports ist, zeigt auch das jüngste Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS. Dieser Urteilte über Caster Semenya, eine südafrikanische Läuferin. Diese hat nach Ansicht der Richter*innen einen zu hohen Testosteronwert und darf daher nicht bei Wettkämpfen starten, es sei denn, Semenya senkt ihren Testosteronwert durch Medikamente. Dieses Urteil ist insoweit auch ein Novum, da jetzt auch ein ganz natürlicher Vorteil den Sportler*innen weggenommen werden soll. Zum Vergleich: Es wird wohl niemand fordern, dass Usain Bolt die Beine operativ kürzen lassen müsse, da diese von der Norm abweichen würden und er so einen Vorteil gegenüber den anderen Läufern habe.

So zeigt sich im Ganzen, dass die Sportwelt noch viel Verbesserungspotential hat und gerade was Diskriminierung sowohl auf der Grund der Ethnie als auch des Geschlechts angeht. Zu guter Letzt auch noch etwas Positives von der Tour. Die diesjährige Tour wird zum ersten mal von einem Kolumbianer, Egan Bernal gewonnen. Bis zum ersten schwarzen Tour-Gewinner dauert es hoffentlich nicht weitere 106 Auflagen.

Andrea Nahles ist als Partei- und Fraktionsvorsitzende zurücktreten. Schade eigentlich, oder?
Ein Blick in ihren Lebenslauf offenbart sie als die „perfekte“ Sozialdemokratin. Als katholisches Arbeitermädchen vom Land wuchs sie bereits in jungen Jahren in den Parteistrukturen auf und legte eine vorbildliche Karriere hin: Sie begann als Juso -Vorsitzende, wurde im Jahre 1998 in den Bundestag gewählt, 2009 zur Generalsekretärin ernannt. Anschließend übernahm sie das Ministerium für Arbeit und Soziales und 2018 übernahm sie schlussendlich den Posten als Fraktions- und Parteivorsitzende. Seit 30 Jahren ist Andrea nun in der Partei, kennt die Strukturen und ihre Mitglieder, weiß wie man die Flügel innerhalb der SPD auf Linien bringt und genießt auch eine breite Bekanntheit in der Bevölkerung. Da lag der Gedanke nicht fern, sie als die erste weibliche Parteivorsitzende vorzuschlagen.

Als Parteivorsitzende nahm sie sich große Ziele – vielleicht zu große – vor, denn spätestens die diesjährigen verlorenen Landtagswahlen und insbesondere die Europawahl haben Nahles auf den Boden der Tatsachen geholt. Die Sozialdemokratische Partei scheint keine attraktive, geschweige denn eine wählbare Partei mehr zu sein.

Im Zuge dessen kam, vor allem auch ihr gegenüber, viel Kritik aus den eigenen Reihen und erste Sturzgerüchte machten den Umlauf. Nach ihrem Rücktritt begann in den Medien eine für mich irritierende Feminismusdebatte. Man(n) hätte Nahles anders behandelt, weil sie eine Frau ist und dies sei der wahre Grund ihres Rücktritts. Diesen Gedanken will ich nicht komplett abstreiten, da durchaus einige einen anderen Umgang mit ihr pflegten aufgrund ihres Geschlechts. Aber wir reden hier immer noch von einer ehemaligen Juso-Vorsitzenden, die weiß wie man auf den Tisch haut und seinen Willen durchgesetzt bekommt. Nicht selten ist sie mit sturen Forderungen vorangegangen und hat sich selten von ehemaligen Parteivorsitzenden wie Sigmar Gabriel einschüchtern lassen. Fraglich ist,  wieso man bei ihr als Frau meint, dass „nicht der politische Stress, sondern die Verwundung der Seele den Ausschlag“[1]ihres Rücktritts gab, während der Rückzug von Martin Schulz als das Ziehen der „politischen Konsequenzen“ verkauft wurde.

Ich bin der Meinung, dass Andrea Nahles, unabhängig von ihrem Geschlecht, das alte Gesicht der SPD repräsentiert. Es herrscht große Unzufriedenheit bezüglich der veralteten Strukturen der Partei, die immer noch vorhanden Hintertürgespräche der hohen Funktionäre und das Postengeschachere, welches untereinander und oftmals stillschweigend vereinbart wird. Diese Ära muss mit dem Rücktritt von Nahles ein Ende finden. Es wird Zeit einen neuen, jungen und frischen Wind von unten wehen zu lassen.

Der Frauenanteil im deutschen Bundestag ist so niedrig wie seit knapp 20 Jahren nicht mehr. Nur noch 30,7% weiblicher Abgeordnete zählt das Parlament. Vergleichsweise lag dieser in der vorherigen Legislaturperiode von 2013 bis 2017 noch bei 36,7%. Dies bedeutet, dass lediglich eine von drei Abgeordneten weiblich ist. Unsere Bundesjustizministerin Katharina Barley beschreibt diese Situation als „beschämend für das Jahr 2018“ und fordert eine „gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern im Bundestag.“ Die sogenannte „Frauenfrage“ soll im Zentrum der geplanten Reform des Wahlrechts stehen und dahingehend geändert werden, dass eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern gesichert ist. Eine Möglichkeit um dies umzusetzen wäre eine Quote für die Wahllisten der Parteien. Kurz gesagt: die Einführung einer Frauenquote für alle Parteien. So kann die Gleichberechtigung von Frauen hergestellt und dafür gesorgt werden, dass ein angemessener Anteil von Frauen ihre Meinungen im Bundestag vertreten können. Dass dies funktionieren kann zeigt uns unsere eigene Partei. Vor rund 30 Jahren votierte die SPD für die Frauenquote und sorgte für eine grundlegende Veränderung in der deutschen Politik. Plötzlich wurde das Problem beseitigt, dass zu wenig Frauen kandidieren, was auch oft als Grund gegen eine Quote genannt wird. Es wird behauptet, dass es doch gar nicht so viele Frauen gäbe, wie man mit der Quote haben will. Die SPD ist mit einem Frauenanteil von 42% im deutschen Bundestag vertreten, die Linken mit 54% und die Grünen sogar mit 58%, was zeigt, dass es definitiv genügend Frauen gibt, die bereit sind sich politisch zu engagieren. Gerade die Quote könnte dazu beitragen, dass sich mehr Frauen trauen in der Politik Fuß zufassen, weil ihnen die Chance dazu gegeben wird.

Ein weiteres Argument, welches oft gegen die Frauenquote verwendet wird ist, dass diese dazu führe, dass viele unqualifizierte Frauen in Ämtern gedrängt werden. Es wäre deren Meinung nach doch viel sinnvoller, wenn stattdessen qualifizierte Männer die Ämter übernehmen. Hier denke ich mir jedoch dann: Wie viele unqualifizierte Männer gibt es bitte bereits im deutschen Bundestag oder in gewissen Ämtern? Wieso wird dies nicht in Frage gestellt, aber, ob eine Frau eventuell unqualifiziert sein könne schon? Die CSU hat in ihrer Partei sogar eine Regionalquote eingeführt. Wieso beschwert sich hier niemand, dass beispielsweise ein Mann aus Oberbayern, welcher für ein bestimmtes Amt kandidieren möchte, eventuell unqualifiziert ist?

Ich sage eine Frauenquote ist solange nötig, bis wir sie nicht mehr brauchen. Natürlich wäre es wünschenswert, dass es ohne eine Quote ginge, jedoch ist es de facto noch nicht möglich. Es steht außer Frage, dass kein angemessener Frauenanteil im deutschen Bundestag vertreten ist. Durch die Änderung des Wahlrechts könnte dieses Ziel allerdings erreicht werden, da somit die Selbstverständlichkeit eines hohen Frauenanteils herbeigeführt werden könne und viel mehr Frauen die Chance zu politischem Engagement gegeben wird.

Wer die letzten Wochen bei Twitter unterwegs war dürfte, ebenso wie ich, über #MenAreTrash gestoßen sein. Was man nun von dem Hashtag selber oder seiner Bedeutung auch immer halten möchte, soll jedem*r selber überlassen sein und auch wenn man viele unreflektierte Meinungen liest, kann man doch feststellen, dass viele Menschen auch einen gepflegten Diskurs über ein Thema geführt haben, das ich für sehr wichtig halte: Die Rolle des Mannes im Feminismus. Ich möchte das Thema in diesem Beitrag von einer anderen Seite beleuchten, nämlich die, warum auch für Männer Feminismus ein Herzensanliegen sein sollte.

Auf den ersten Blick bedeutet (Queer-)Feminismus ja grundsätzlich eines: Die vollständige Gleichstellung aller Geschlechter zu erreichen. Aber hinter diesem Gedanken steckt noch so vieles mehr. Ein Aspekt, der für mich dabei sehr wichtig ist, ist die grundsätzliche Abschaffung von geschlechtsbestimmten und sexualorientierten Rollenbildern.

Aber warum ist das so wichtig? Nun von jemanden wie mir, der weiß, dass er in unserer Gesellschaft als weißer heterosexueller Mann grundsätzlich privilegiert ist, mag das nun etwas merkwürdig klingen, aber auch ich fühle mich häufig in etwas gedrängt, dass ich nicht bin und um ganz ehrlich zu sein auch nicht sein möchte. Das Menschen gewisse Erwartungen an jemanden haben aufgrund von Geschlecht oder sexueller Orientierung kann einem in vielen Lebenssituationen auffallen. Mir selber ist es zum ersten Mal aufgefallen als ich auf einer Party war, auf der mir die meisten Menschen fremd waren. Als ich mich gerade unterhielt, fragte mich ein Partygast ob er mir ein Bier mitbringen soll und ich antwortete: „Nein danke. Ich trinke lieber gleich ein Glas Sekt“. Schon wurde ich komisch angeschaut und mir wurde gesagt, dass ich als Mann doch Bier zu trinken habe und nicht diese „Mädchengetränke“. Ich wünschte ich könnte sagen das war nur ein Einzelfall aber derartige Ereignisse habe ich in den letzten Jahren doch sehr häufig erlebt und nicht nur bei mir. Sobald jemand sich nicht an seine*ihre „Rolle“ hält, fangen viele Menschen an sich zu empören. Im Optimalfall kommt dabei eine zumindest halbwegs sachliche Diskussion heraus. Im schlimmsten Fall kommt es zu Getuschel, Ausgrenzungen im Extremfall zu Beleidigungen. Es wird der betroffenen Person aber in jedem Fall gezeigt, dass sie „anders“ ist und das nur weil sie etwas getan hat was nicht zu ihrer Rolle passt, die auch noch andere Menschen ihr zugeschrieben haben.

Wer bei Twitter mal unter #mequeer die Beiträge durchgelesen hat, der findet bewegende Geschichten von Menschen, die sich über Jahre nicht getraut haben sich zu outen, weil sie Angst hatten deswegen diskriminiert zu werden und es in vielen Fällen auch wurden. Weil den Menschen es nicht einfach egal sein kann, welches Geschlecht und welche Sexualität eine Person hat. Leben und Leben lassen, ganz einfach. Warum sich jemand dafür rechtfertigen muss wer er*sie ist, habe ich noch nie verstanden und ich weigere mich auch diesen Zustand zu akzeptieren.

Ich denke es ist unser aller Aufgabe diese Muster endlich zu beenden. Warum ist es nicht normal, wenn ein junger Mann* daheim auf die Kinder aufpasst während seine* Lebenspartner*in arbeiten geht? Warum halten viele Menschen offensichtlich eine Frau* für weniger leistungsfähig als einen Mann und legt ihr im Beruf ständig Steine in den Weg, sei es bei der Bezahlung oder bei den Aufstiegschancen? Und warum, darf man nicht einfach so sein wie man es möchte?

Rollenbilder stehen so vielen Menschen zu ihrem Glück im Weg und deshalb gehört ihnen der Kampf angesagt! Wer ernsthaft immer noch denkt es gäbe nur zwei Geschlechter, oder dass „richtige Männer“ heterosexuell sein müssen, Fußball mögen und Bier trinken und dass „richtige Frauen“ nur auf Mode und Klatsch stehen, Sekt trinken und das Patriarchat akzeptieren, der*die sollte sich eine Zeitmaschine bauen, aber garantiert nicht mehr am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen.

Also warum sollte es auch Männern wichtig sein für Feminismus zu kämpfen? Weil mit Feminismus endlich jede*r glücklich werden kann. Weil jeder Mensch für sich selbst bestimmen kann, was ihn*sie glücklich macht und auch danach leben kann ohne dass sie*ihn gleich die schrägen Blicke quer durch den Raum verfolgen. Feminismus bedeutet für mich also eins: Glücklich sein.

„Die Welt dreht durch mit dem Gender-Wahn“

Zu oft wird diese unschöne Aussage gepostet und gesagt. Vor allem durch die jetzigen Aufkommnisse des generischen Maskulinum . Der Bundesgerichthof entscheidet, dass `Kunde` für jeden Menschen ansprechend sein muss. Es gilt nicht als Diskriminierung.“ Seit 2000 Jahren werden nur die Männer angesprochen und es kam kein Problem damit auf.“Dieses Argument “ Alles bleibt so wie es ist“ hat bei mir und bei vielen Anderen noch nie gezogen. Wenn sich seit 2000 Jahren nichts geändert hätte, dann sollte Homesexualität oder Bi gar kein Problem sein, denn im römischen Reich war es egal, ob mit Mann oder Frau geschlafen wurde. Da wurde öffentlich über Sex geredet. Heute ist es oft wieder eine großes Tabuthema. Natürlich hat sich aber in anderen Bereichen sich für Frauen* auch viel verbessert. Wir dürfen in Deutschland seit 100. Jahren wählen, den Führerschein machen und studieren. Also bitte, liebe Leute, nur weil es seit 2000. Jahren so ist, heißt es nicht, dass es gut so ist.

Ein weiteres Argument waren die Kosten für die Banken, die weibliche Benennung hinzuzufügen. Klar, viele Menschen fühlen sich nicht angesprochen einzig durch die männliche Form und dadurch ausgeschlossen, aber das Geld regiert ja die Welt. Wir wollen natürlich nicht, dass Banken, die Milliarden Überschuss haben, auch noch Geld für Gleichberechtigung ausgeben müssen (ACHTUNG: Ironie).

Ich persönlich nutze Gendersprache. Ich möchte damit jeden ansprechen: Männer, Frauen und andere Geschlechter.Ich nutze, wenn möglich, die neutrale Form wie Studierende oder die Form mit Sternchen wie Arbeiter*innen, wobei ich bei dem Stern die Vielfätigkeit der Geschlechter ausdrücken will.

Ich selbst fühle mich als Kunde nicht angesprochen. Ich bin eine Kundin. Genauso wie ich eine Studentin, Tänzerin, Mitarbeiterin und alles andere bin. Mich gibt es nicht ohne in.

Die Sprache wandelt sich seit Jahrhunderten. Ich möchte, dass sie sich jetzt wieder verändert. Es ist nur ein kleines Puzzleteil für die Gleichberechtigung, aber ein Schritt, der begangen werden muss. Denn wir wollen endlich vollkommene Gleichheit.

Damit wird unsere Sprache keineswegs ungenauer. Sie wird viel präziser. Wir inkludieren jedes Geschlecht. Ich persönlich habe einen beidgeschlechtigen Namen, wobei Kim oft als männlich angesehen wird. Ich bekomme viel mehr Briefe und E-Mails mit Herrn Kim als mit Frau als Anrede. Sobald die Personen es durch meinen Mittelnamen erkennen, entschuldigen sie sich tausend Male und ich hatte auch schon den Fall, dass ich Schokolade bekam. In diesem Moment empfinden es viele als schlimm, aber bei Kunde oder Student soll ich es als selbstverständlich nehmen? Ich soll mich doch einfach angesprochen fühlen als Frau. Danke, dass Menschen entscheiden, wie wir uns als Frauen* fühlen sollen. So funktioniert dies aber leider nicht.

Marlies Krämer, ich kann nicht mehr sagen als danke. Danke, dass du für uns und mit uns kämpfst. Ich hoffe, dass das Bundesverfassungsgericht Kunde ohne Kundin als Diskrimnierung auffasst und somit nach der Anerkennung des dritten Geschlechts einen weiteren Schritt zur rechtlichen Gleichheit gehen wird.

Bis aber die vollkomme Gleichberechtigung und öffentliche Akzeptanz aller Geschlechter durchgesetzt ist, sind noch viele kleine und große Schrauben zu drehen; aber wir bleiben laut. Feminist*innen müssen die Mehrheit werden!

 

 

Über die Gründe der sinkenden Wahlerfolge sowohl der deutschen als auch der internationalen Sozialdemokratie wurde in den letzten Jahren viel diskutiert. Von den Agenda Gesetzen über eine Mangelhafte Kommunikation der politischen Erfolge bis hin zu den Herausforderungen der Globalisierung, auf die die SPD keine Antwort wüsste, wird eine große Palette an möglichen Ursachen genannt.
Ein Aspekt sticht dabei besonders heraus, auf den sich Kritiker*innen sowohl innerhalb als auch außerhalb unserer Partei schnell einigen können. Die SPD solle endlich aufhören mit dieser Minderheitenpolitik und wieder echte linke Politik für die einfachen Arbeiter*innen in unserem Land machen (Im Originalton dann aber eher ohne gegenderte Schreibweise, da auch das zu der häufig kritisierten Identitätspolitik gehören dürfte). Die Wähler*innen würden diese Politik nicht verstehen, sie hätte keinen Einfluss auf deren Lebensrealität und würden Fortschritte auf diesem Gebiet nicht honorieren.

Versteht mich nicht falsch, auch ich bin der Meinung, dass die SPD sich wieder vermehrt der Bedürfnisse der Arbeitnehmer*innen annehmen sollte. Gerade im Bereich des Arbeitsrechts und der Arbeitsmarktpolitik gibt es Bereiche, die dringend reformiert werden müssen. Hier seien exemplarisch nur befristete Arbeitsverträge und das unsägliche System der Leiharbeit genannt.
Für mich steht ein Engagement in diesem Bereich aber in keinem Gegensatz zu den Bemühungen, die Diskriminierungen in anderen Lebensbereichen abzubauen. Vielmehr wird durch diese Behauptung, ein künstlicher Gegensatz aufgebaut, der einer genaueren Betrachtung nicht standhält.
Zum einen geht er von einem sehr eindimensionalen Menschenbild aus. Ein Mensch, eine Wählerin oder ein Wähler kann immer nur entweder einfacher Arbeiter oder einfache Arbeiterin sein und daher von einer arbeitnehmer*innenfreundlichen Politik profitieren. Oder er oder sie ist Akademiker*inn, setzt sich für Minderheitenrechte ein und versucht die Umwelt im Bereich des Möglichen zu schonen. In der Realität lassen sich die allermeisten Menschen aber nicht starr in diese Kategorien einordnen, sondern vereinen viele Merkmale in sich. Auch ein 50 jähriger Arbeiter kann homosexuell sein oder hat eine transsexuelle Tochter, deren gesellschaftliche Diskriminierung er verhindern möchte. Auch ein 25 jähriger studierter Berliner Hipster ist froh, wenn er nicht als Scheinselbstständiger in einem Start UP ausgebeutet wird und stattdessen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall erhält.
Besonders deutlich wird diese Untrennbarkeit von Arbeiter*inneneigenschaft und Zugehörigkeit zu einer besonders zu schützenden Minderheit aber am Beispiel der Frauen. Viele Dinge die wir heute als Selbstverständliche arbeitsrechtliche Regelungen empfinden, hätte man bei ihrer Einführung als unnütze Minderheitenpolitik abtun können. So z.B. das grundsätzliche Verbot auf Grund des AGG, im Bewerbungsprozess nach einer Schwangerschaft zu fragen. Dieses Verbot nützt der Mehrheit der arbeitenden Männer nicht, sondern nur der Minderheit der arbeitenden Frauen.
Zum anderen wird durch die obengenannte These auf eine gefährliche Weise versucht, verschiedene Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen. Es wird suggeriert, dass politische Kapazitäten nur begrenzt zur Verfügung stünden und sich daher entschieden werden müsste, wessen Interessen vorrangig zu schützen wären. Was bei kostenintensiven Maßnahmen noch einen Rest an seriöser Argumentation darstellt wird bei einem reinen Abbau von diskriminierenden Regelungen vollends zum durchschaubaren Manöver. Anstatt an einer gerechteren Welt für alle Menschen zu arbeiten wird einem Teil der Bevölkerung, der sowieso schon unter alltäglicher Diskriminierung zu leiden hat, die Schuld für die teilweise prekären Lebensbedingungen der arbeitenden Bevölkerung zugeschoben.

Dass bei ausreichendem politischem Willen Verbesserungen in ganz verschiedenen Bereichen möglich sind zeigt gerade der Blick in die letzte Legislaturperiode. Bei aller berechtigten Kritik an der großen Koalition konnten doch mit dem Mindestlohn und der Ehe für alle doch sowohl die Arbeitnehmer*innenrechte gestärkt werden, als auch die Diskriminierung von Homosexuellen Paaren reduziert werden.
Und zum Schluss noch eine Anmerkung zu dem Vorwurf die SPD müsse durch die Abkehr von einer aktiven Minderheitenpolitik zurück zu ihren Wurzeln gelangen. Zu den Teilen unserer Parteigeschichte auf die wir zu Recht alle Stolz sind gehört der letztendlich erfolgreiche Kampf für das Frauenwahlrecht schon Ende des 19. Jahrhunderts. Daher lasst uns eine Woche vor dem 8 März, dem Welt Frauenkampftag, daran erinnern, dass der Kampf gegen Diskriminierung und für Emanzipation ebenso zur DNA unsere Partei gehört, wie der Einsatz für Arbeiter*innenrechte.

Vor circa drei Monaten habe ich die Entscheidung getroffen, mich politisch zu engagieren und der SPD und den Jusos beizutreten. Viele haben mich gefragt, wieso ich diesen Schritt gegangen bin und was ich „da“ überhaupt will? Ausschlaggebend waren besonders die Erlebnisse und Erfahrungen, die ich im Rahmen meines Studiums der sozialen Arbeit und meines damit verbundenen Praktikums gemacht habe. Mein viertes Semester umfasste nämlich ein Praktikum im Bereich der Schulsozialarbeit an einer Mittelschule. Dort war ich unter anderem in der Betreuung tätig und zentrale Ansprechpartnerin für viele junge Menschen und deren Eltern. Im Laufe der Zeit wurde mir immer mehr bewusst unter welchem Druck viele der Kinder stehen und wie sich die gesellschaftlichen Ungleichheiten auf sie und ihr Leben auswirken. Beispielsweise haben viele der Jugendlichen kaum Motivation einen guten Schulabschluss zu erreichen, da ihnen vermittelt wird, dass man mit einem Mittelschulabschluss im Leben eh nichts erreichen kann. Die Kinder leiden sehr darunter, dass ihnen durch unser abstufendes Schulsystem vermittelt wird, sie wären schlechter als andere und in der untersten Stufe der Gesellschaft. Unser Bildungssystem bietet eben nicht die gleichen Chancen für jedes Kind, da Kinder, die sich dafür schämen müssen eine Mittelschule zu besuchen, für mich nicht die gleichen Chancen haben, wie Schüler:innen eines Gymnasiums. Sie haben durch ihren von der Gesellschaft als schlecht befundenen Mittelschulabschluss eben nicht die Möglichkeit sich ihren Beruf frei auszuwählen, wie es immer heißt.  Die meisten der Schüler:innen waren froh, dass sie überhaupt mit einem qualifizierenden Mittelschulabschluss für eine Ausbildung zugelassen wurden und das zeugt für mich nicht von einem auf Chancengleichheit beruhendem Bildungssystem. Genauso wenig wie die zahlreichen Formen von Förderschulen. Einige der Grundschulkinder in meinem Praktikum, welche zusätzliche Förderung benötigten, wurden schnell an die ortsnahe Förderschule übermittelt, da an der sogenannten Regelschule nicht die Kapazität bestand, dem Kind die benötigte Unterstützung zu geben. Die Lehrer:innen oder auch Pädagog:innen begründeten ihre Entscheidung immer gleich: Es ist besser für das Kind, wenn es speziell gefördert wird. Dieser Aussage kann ich auch nicht widersprechen, jedoch müssen sie dafür nicht getrennt von den anderen Kindern sein. Weiterhin führt diese Entscheidung oftmals dazu, dass das Kind womöglich nicht mehr die Möglichkeit hat überhaupt einen Schulabschluss zu erreichen, da über ¾ der Schüler:innen der Förderschule ohne Schulabschluss die Schule verlassen und somit in unserer Gesellschaft nur selten die Chancen haben sich einzubringen. Auch das hat für mich nichts mit Chancengleichheit zu tun und brachte mich immer mehr dazu etwas ändern zu wollen. Die Jusos fordern hier ein einheitliches Schulsystem für alle Schüler:innen, was meiner Meinung nach die aufgezählten Probleme verhindern kann.

Zudem begann ich je älter ich wurde immer mehr die Ungleichheiten zwischen Mann und Frau und die bestehenden Geschlechterzuschreibungen zu spüren. Noch immer verdienen Frauen weniger als Männern, noch immer sind fast ausschließlich Frauen in der durch den Kapitalismus stark vernachlässigten Care-Arbeit zuständig und noch immer werden Frauen sexualisiert und zu Objekten gemacht. Auch mein Berufsfeld, welches der Fürsorgearbeit angehört, wird verhältnismäßig schlecht bezahlt und auch hier sind hauptsächlich Frauen tätig. Für mich muss besonders in diesem Bereich noch viel verändert werden und dazu möchte ich beitragen. Die Jusos setzen sich stark für junge Frauen ein und bekennen sich als feministischen Richtungsverband, dessen Werte ich ebenso vertrete.

Was mich jedoch endgültig zu dem Entschluss gebracht hat, den Jusos beizutreten, war die Tatsache, dass sich die SPD für die Ehe für alle eingesetzt und im Bundestag für eine Abstimmung plädiert hat. Zudem waren alle der Abstimmenden der SPD für die Einführung und trugen somit zu einem wichtigen Schritt in Richtung Chancengleichheit und vor allem Demokratie bei.

Ich finde es grundsätzlich wichtig sich für mehr Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft einzusetzen. Wir sollten daher unsere Stimme als junge Menschen nutzen, da wir Einfluss auf die Gesellschaft nehmen können, in der wir aufwachsen, altern und in Zukunft leben wollen.

Seit dem desaströsen Ergebnis der SPD bei der Bundestagswahl im September werden die Rufe nach einer neuen, weiblicheren, jüngeren Partei immer lauter. Während die Parteispitze deshalb durch ganz Deutschland tingelt, um sich die Meinungen von Basis- oder Nichtmitgliedern anzuhören, um dann trotzdem fragwürdige Personalentscheidungen zu fällen, machen die Bundesjusos Nägel mit Köpfen. In einem Positionspapier fordern sie unter anderem einen festen und vor allem stimmberechtigten Juso-Platz in den geschäftsführenden Gremien und Präsidien. Es ist klar, dass es für diese Forderungen auch personelle Vorschläge geben muss, und genau diesen bringen wir auch: Mit der scheidenden Bundesvorsitzenden Johanna Uekermann haben wir eine hochtalentierte junge Frau am Start, die die Interessen unserer Generation nicht nur vertreten, sondern auch innerparteilich durchsetzen kann, und den politischen Betrieb dank ihrer langjährigen Erfahrung gut kennt – und zufälligerweise aus dem wunderbaren Niederbayern kommt. Ihre klare linke Linie mag vielen Genoss*innen manches Mal ein Dorn im Auge sein, aber weder können ihr Kompetenz, noch Erfahrung abgesprochen werden.

Wer ein gutes Nervenkostüm hat, dem*r sei der Post der Jusos auf ihrer Facebookseite ans Herz gelegt. Die Kommentare darunter zeigen wieder einmal den in dieser Partei noch immer verankerten Sexismus. Während es kommentarlos oder sogar hocherfreut hingenommen wird, wenn ein Posten nach dem anderen mit einem weißen männlichen niedersächsischem Seeheimer nach dem anderen besetzt wird, ist eine einzige junge Frau im Parteivorstand scheinbar schon zu viel des Guten. Wann werden die Positionen endlich nach Kompetenz besetzt? wird dort gefragt, und was zur Hölle soll diese junge Dame dazu befähigen, im Parteivorstand stimmberechtigt mitentscheiden zu dürfen? Wo soll das denn hinführen, wenn da plötzlich junge Frauen die männlichen Strukturen aufbrechen und vielleicht sogar dafür sorgen, dass diese Partei wieder Wahlen gewinnen kann? Und was fällt diesen Jusos eigentlich ein, etwas einzufordern, nachdem sie acht Wochen lang bei Wind und Wetter Plakate geklebt, Infostände betreut, und nächtelangen Kneipenwahlkampf gemacht haben?

An einem Punkt haben diese „Kritiker*innen“ vermutlich recht: Die Ämter dieser Partei sollten nach Fähigkeiten und Inhalten besetzt werden. Die Frauenquote ist schließlich eine der wenigen Regelungen, die darauf abzielt, sich selbst abzuschaffen. An diesem Punkt sind wir aber noch lange nicht – offensichtlich. Solange ausschließlich Frauen auf herablassende Weise als Dame bezeichnet werden (und nein, ihr meint das nicht respektvoll, egal wie sehr ihr euch herausreden wollt) und nur bei ihnen davon ausgegangen wird, dass sie inkompetent seien, während jede männliche Besetzung vollkommen in Ordnung ist, sind wir von der Abschaffung der Quote Lichtjahre entfernt. Nur mal so zur Info: Dass Lars Klingbeil seinen politischen Schwerpunkt auf die Zukunftsthemen Netzpolitik und Digitalisierung gelegt hat, ist für die meisten völlig ausreichend, um über die ständige Reproduktion der alten Strukturen (und deren Außenwirkung) hinwegzusehen und die eigenen Forderungen und Vorhaben über Bord zu werfen. Andererseits lassen vier Jahre Juso-Bundesvorsitz, etliche Jahre im Bezirks- und Landesvorstand, hervorragende inhaltliche Arbeit für Schüler*innen, Auszubildende und Studierende und dabei insbesondere für Frauen, die Vernetzung von Funktionär*innen auf Kreis- und Unterbezirksebene oder die erste professionalisierte Jugendwahlkampagne scheinbar nicht auf Kompetenz schließen. Eure scheinheiligen sexistischen kackbeschissenen Double Standards kotzen mich an.

Ein weiterer Kritikpunkt ist außerdem kurz zu nennen: Woran bemisst sich denn diese angeblich bei Frauen grundsätzlich nicht vorhandene Kompetenz? Nach dem männlichen Bauchgefühl? Aufnahmeprüfungen?

Ein ganz besonders „traumschönes“ Argument durfte ich mir übrigens von einem Genossen anhören, dessen Zugehörigkeit zu einer bestimmten Strömung in dieser Partei ich mit keinem Wort als angedeutet verstanden haben möchte. Laut diesem (alten weißen) Mann ist die Frauen- bzw. Geschlechterquote unfair, schließlich seien nur um die 30 Prozent der Parteimitglieder weiblich, ergo dürfen Frauen auch nur auf maximal 30 Prozent der Ämter Anspruch erheben.

 

 

 

 

 

Oh, Entschuldigung. Leider konnte ich nicht weiterschreiben, da mein Facepalm beide Hände in Anspruch genommen hat. Diese „Logik“ dürfte unter den Top 3 der dümmsten Dinge sein, die ich dieses Jahr gehört hab – und das, obwohl Donald Trump der Präsident der USA ist und ziemlich oft ziemlich dumme Sachen sagt. Es ist kein Geheimnis, dass die Gruppe der Frauen, die statistisch gesehen meist sozialere Ansichten haben als Männer, die vielversprechendste Wähler*innengruppe für die SPD ist. Trotzdem erreichen wir sie nicht. Im Wahllokal selbst entscheiden sich am Ende viele für die Union, statt für die SPD – schlicht und ergreifend, weil bei der Union eine Frau an der Spitze steht und der Gesamteindruck dadurch weiblicher ist (bei der U-NI-ON!). Auch ich habe Freundinnen, die mit der SPD nichts anfangen können, und trotzdem sagen, dass sie bei der nächsten Wahl in erster Linie nach Geschlecht wählen werden, um einen weiteren testosteronüberladenen Herren an einem Tisch neben Männern wie Trump oder Putin zu verhindern – egal, ob die Kandidatin für die SPD oder die Union antritt.

(Newsflash: Das ist kein Sexismus. Sexismus beinhaltet Machtgefälle, die von Frau zu Mann schlicht nicht existieren. Es ist also höchstens eine Beleidigung. Genau genommen nicht einmal das, wenn man das Thema dieses Beitrags bedenkt.)

Durch das ständige Auftreten als Altherrenpartei arbeiten wir also aktiv gegen einen Wahlsieg. Das muss man als angebliche Volkspartei erst einmal schaffen. Natürlich könnte man sich bei der Besetzung von Ämtern auch an der Zusammensetzung der Gesellschaft orientieren, statt an den sich selbst fütternden Mitgliederstatistiken. Vermutlich würde aber bei über 50% weiblich besetzter Ämter manch ein Mann aufgrund des drohenden Verlusts seiner Privilegien zusammenbrechen. Gleiches gilt scheinbar auch, wenn es darum geht, Forderungen nach einer weiblicheren und jüngeren Partei durchzusetzen. Leider hält sich mein Mitleid dafür in Grenzen, was mir hoffentlich verziehen sei.

Abschließend ein paar versöhnliche Worte. Glückwunsch an Frank-Walter, Thomas, Hubertus, Martin und vorab auch an Lars für eure tollen Ämter! Ach ja und an Andrea, natürlich. Wobei – ist die überhaupt kompetent genug für den Fraktionsvorsitz?

 

 

Mehr Infos zum Positionspapier der Jusos findet ihr unter https://www.jusos.de/spderneuern/

Selten wurden Frauen* in der Film- und Fernsehwelt so emotional diskutiert, wie diese Woche.
Es begann mit der Veröffentlichung einer Studie zum Thema „audiovisuelle Diversität“, die von Forscher*innen der Uni Rostock und der malisa-Stiftung durchgeführt wurde. Diese Studie zeigt die Verhältnisse von männlichen und weiblichen Charakteren in TV- und Kinoproduktionen auf, und splittet diese Daten noch einmal in verschiedene Sparten, wie z.B. Alter und Genre, auf. Die Daten sind erschreckend: Im Schnitt kommen auf eine Frau zwei Männer, ab dem 50. Lebensjahr kommen auf eine Frau sogar acht (!) Männer. In einem Drittel der Produktionen lässt sich nicht einmal mit der Lupe eine Hauptdarstellerin finden.

Auch der Begriff des „mansplaining“ bekommt in dieser Studie ein völlig neues Gesicht: Unter den Moderator*innen und Journalist*innen liegt der männliche Anteil bei 80%, bei Expert*innen ebenfalls, und bei Sprecher*innen von non-fiktionalen Formaten sind es mal eben 96%. Männer erklären also (mal wieder), was so passiert in der Welt. Man könnte also durchaus von einer noch immer präsenten Dominanz männlicher Akteure auf dem Bildschirm sprechen. Könnte man. Außer man heißt Claus Kleber.

Dieser sieht das nämlich ganz anders. In einem Interview mit Maria Furtwängler, einer der Gründerinnen der malisa-Stiftung und damit Auftraggeberin der Studie, sowie ihres Zeichen selbst Schauspielerin, warf er ihr nicht nur vor, mit der Studie eine Agenda zu verfolgen (stellt euch das mal vor. Eine wissenschaftliche Studie, deren Ziel es ist, eine These zu untermauern oder in Frage zu stellen. Unglaublich!), sondern auch eine gesellschaftliche Umerziehung anzustreben. Aus seiner Sicht als Vater zweier Töchter, was ihn automatisch zu einem Superfeministen macht, sei Gleichberechtigung zwar wichtig, aber doch eigentlich schon lange Realität. Überhaupt habe er das Gefühl, dass Frauen die Medienwelt längst dominierten. Und schließlich gäbe es auch genügend Frauen, die lieber Sprechern zuhören als Sprecherinnen.

Wo.

Fangen.

Wir.

An.

Zuerst einmal klingeln beim Wort „Umerziehung“ einige Alarmglocken im rechten Ohr. Diesen Begriff benutzen schließlich mit Vorliebe unsere Mitbürger*innen am rechten Rand, kurz bevor sie Gendermainstreaming brüllen und auf einem Fluss aus den Tränen alter weißer heterosexueller Männer davon schwimmen. Kritische Berichterstattung ist wichtig – aber eine solche Wortwahl lässt nicht auf Kritik, sondern reinen Antifeminismus schließen.

Hinzu kommt der klassische Rechtfertigungsmechanismus namens „Ich bin ja selbst Vater von Töchtern“- das überflüssigste Argument aller Zeiten. Und zweitens, nur weil Sie einen Hund haben, kämpfen Sie nicht automatisch für Tierrechte. Wenn die Vaterschaft aus Männern wie Herrn Kleber automatisch Feministen machen würde, hätten sich vielleicht manche schon früher dazu geäußert, dass 9 von 10 Charakteren in (imaginären) Kinderserien männlich sind, und somit Mädchen kaum Identifikationsmöglichkeiten auf dem Bildschirm sehen. Dann hätten wir nicht die peinliche Frage eben jenes Herrn Klebers hören müssen, ob denn Benjamin Blümchen jetzt ebenfalls dem Gendermainstreaming zum Opfer fällt. Aber logisch, wer fordert, dass die Verteilung gerecht sein sollte, meint damit automatisch, alle männlichen Charaktere abzumähen, aus allen nur noch weibliche Rollen zu schaffen, und die wenigen männlichen Rollen auch direkt mit Frauen zu besetzen. Immer diese radikalen Feministinnen!

Interessant ist außerdem der Vorwurf der bereits realen Dominanz von Frauen in TV-Programmen. Auf eine wissenschaftliche, durchaus repräsentative Studie, die belegt, dass Frauen offensichtlich wenig sichtbar, und ab gewissen Altersgrenzen sogar unsichtbar sind, zu antworten, man hätte aber das Gefühl, dass Frauen einige Bereiche „an sich gerissen hätten“, ist wohl das mansplainigste Mansplaining aller Zeiten. Was wollen die Weiber wieder mit ihren Fakten, wenn doch ein Mann sich anders fühlt? Und das von einem der renommiertesten Journalisten des Landes wohlgemerkt.

Zu der Aussage, dass auch Frauen häufig Sprechern lieber zuhören, muss man sagen: Ja, das stimmt. Auch dazu gibt es Studien. Man könnte sich natürlich die Frage stellen, ob das daran liegt, dass hier seit Jahrzehnten Männer dominieren (sechsundneunzig Prozent sag ich da nur) und viele Menschen in den vorherrschenden patriarchalischen Strukturen Männerstimmen eine höhere Glaubwürdigkeit zuweisen. Könnte man. Aber wieso reflektieren, wenn man es sich auch einfach machen kann.

Das Fazit der Studie könnte sein, dass Frauen noch immer unterrepräsentiert sind. Könnte es. Außer man ist ein alter weißer Mann, der es einer Frau vor laufender Kamera mal so richtig zeigen kann, und dafür auch seine journalistische Integrität über Bord wirft. Dann sind das alles doch nur Hirngespinste dieser verrückten Feministinnen, die eigentlich gar keine Ahnung haben.

Das zweite weibliche Großereignis dieser Woche war die Bekanntgabe der neuen Besetzung des Doctors aus Doctor Who. Nur dass es eben keine Besetzung „des“ Doctors war, sondern „der“. Für alle nicht-Whovians ein paar kurze Vorabinfos: Der Doctor ist der Protagonist der Serie Doctor Who, die mit Unterbrechungen seit 1963 von der BBC produziert wird. Er ist ein Außerirdischer vom Planeten Gallifrey, ein sogenannter Timelord, der mit seinem Raumschiff, der TARDIS, durch Zeit und Raum reisen kann. Dabei hat er eine meist weibliche Begleitung, genannt Companion, dabei. Der Clou an der Sache ist, dass er nicht sterben kann, sondern stattdessen regeneriert, also einen neuen Körper annimmt. Praktisch, da die ersten Besetzungen inzwischen verstorben sind, und die Serie somit trotzdem am Laufen bleibt. In Großbritannien ist die Präsentation der neuen Besetzung ein großes Ereignis, das in den Zeiten vor dem Internet ein echter Straßenfeger war. Nach dem Wimbledonfinale am letzten Sonntag präsentierte also die BBC die neue Inkarnation des Doctors. Schon zuvor wurde lange darüber spekuliert, wem wohl diese Ehre, die der Verkörperung der Rolle des James Bonds in nichts nachsteht, zuteil wird. Die Wahl fiel dabei auf (*Trommelwirbel*) Jodie Whittaker. Manche kennen sie vielleicht aus der Krimiserie Broadchurch (in der übrigens der zehnte Doctor David Tennant den Ermittler spielt, ein Alien, gespielt von Olivia Colmanaus Staffel 5 Folge 1 die Ermittlerin, und der ehemalige Companion Arthur Darvill den verdächtigten Pastor), die man unbedingt gesehen haben sollte.
Lange Rede, kurzer Sinn: Für viele meist männliche Fans brach damit eine Welt zusammen. „I’m not a sexist, but the Doctor has to be male“ war da noch der harmloseste Tweet. Natürlich könnte man sagen, dass es doch nur eine Fernsehserie ist, und was da das ganze Mimimi soll. Als jemand, die diesen Beitrag gerade in ihrem Tardispullover schreibt, und dazu Tee aus einer Tardistasse schlürft (Beweisfoto folgt), kann ich aber durchaus sagen, dass das schon ein ziemlich großes Ding ist. Die Aufregung um die Besetzung kann ich deshalb nachvollziehen. Die Aufregung darum, dass es eine Frau ist, nicht.

Gerade Doctor Who war schon lange sehr fortschrittlich. Durch einige sehr progressive Schreiber (ja, Schreiber. Vielleicht ja auch bald eine Schreiberin?) wie z.B. Mark Gatiss, der auch Sherlock geschrieben und darin Mycroft Holmes gespielt hat, waren Themen wie Homo-, Inter- oder Transsexualität schon lange kein Tabu mehr. Mein persönlicher Favorit ist die Beziehung einer modernen Echsenfrau aus dem Innersten der Erde, die mit einer Menschenfrau im 19. Jahrhundert zusammenlebt. Wer das verstehen will, sollte die Serie schauen. Es war für die Meisten nur eine Frage der Zeit, bis eine weibliche Doctor vorgestellt wird. Und trotzdem stellt das für viele Männer einen riesigen Eingriff in ihre Männlichkeit und ihre Privilegien dar. Die Frauen nehmen uns alles, aber nicht den Doctor! Tja, Pech gehabt, meine Lieben. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Aufregung schnell legt. Es braucht immer etwas Zeit, um sich an eine*n neue*n Doctor zu gewöhnen. Vielleicht verfliegen die Ressentiments gegenüber Jodie Whittaker ähnlich schnell, wie die, gegenüber der letzten Besetzung. Damals fanden viele den Schauspieler Peter Capaldi zu alt.

Allerdings war es damals nicht der erste Impuls britischer Tabloids wie der Sun, Nacktbilder des Schauspielers zu veröffentlichen. Es überrascht kaum, dass mit „Oh mein Gott, man hat ihren Körper schon mal nackt im Fernsehen gesehen, sie wird alle unsere Kinder krank und lesbisch und übersexualisiert machen“-Rufen auf die Besetzung einer Frau reagiert wird.

Aber egal. Für die britische Fernsehlandschaft ist das erstmal ein riesiger Schritt nach vorn.
Und ich hoffe, dass es Claus Kleber schafft, sich diese wundervolle und so sehenswerte Serie anzuschauen, ohne in seinen antifeministischen Tränen zu ertrinken.

 

 

Mehr Infos zur Studie findest du hier: https://malisastiftung.org/studie-audiovisuelle-diversitaet/

Hier kannst du das Video zur neuen Doctor-Besetzung anschauen: http://www.bbc.com/news/av/entertainment-arts-40626273/doctor-who-s-13th-time-lord-unveiled