Der Politische Fußball

Insbesondere während der aktuellen paneuropäischen Fußball-Europameisterschaft, bei der sich unter anderem die DFB-Auswahl durch verschiedene Aktionen mit der LGBTQ+ Community solidarisiert, hört man immer mehr Stimmen mit Forderungen wie „Lasst die Politik aus unserem Sport raus!“ oder „Diese neuen linken Trends haben nix im Stadion zu suchen“.

Warum der Fußball schon immer politisch war, dass der Fußball eine globale gesellschaftliche Verantwortung hat und warum diese Forderungen zu kurz gedacht sind klären wir in diesem Blogbeitrag.

Aus historischer Sicht ist hierbei wichtig, dass der moderne Fußball wie wir ihn kennen, zuerst fast ausschließlich an englischen Privatschulen und Universitäten  gespielt wurde. Mit der Zeit entwickelte sich aber dieser elitär angehauchte Sport hin zu der sowohl über soziale als auch Ländergrenzen hinweg beliebtesten Sportart, die wir aktuell kennen.

Welche enorme globale Bedeutung der Fußball hat, lässt sich anhand des Weltfußballverbands FIFA (Fédération Internationale de Football Association) erkennen: In diesem sind mit insgesamt 211 Nationen mehr Länder vertreten als zum Vergleich in den Vereinten Nationen (193).

Die Macht die der Fußball auf jedes dieser Länder hat, zeigt sich sowohl alle paar Jahre bei Welt- und Europameisterschaften als auch jährlich bei den Vereins-Kontinentalpokalen (in Europa der Champions-League). Während allein das Endspiel der Champions League schätzungsweise 350 Millionen Zuschauer*innen weltweit verfolgen, verfolgten laut Angaben der FIFA sogar 1,12 Milliarden Menschen weltweit das Finale der Fußball Weltmeisterschaft 2018. 

Gemessen an der Anzahl der weltweiten TV-Zuschauer*innen, ist dieses Endrundenturnier die größte Sportveranstaltung der Welt. Es gibt somit kaum eine Möglichkeit, mehr Menschen gleichzeitig zu erreichen als mit Fußball.

Ebendiese Möglichkeit nutzen nicht nur die verschiedensten Politiker und politische Parteien, sondern zunehmend auch autoritäre und autokratische Regime mit dem Ziel der Imageverbesserung, dem sogenannten „Sportswashing“. 

Nachdem Saudi-Arabien 2020 Veranstalter des spanischen und italienischen Supercups und Aserbaidschan Gastgeber des Endspiels der UEFA Europa League 2018/19 war, wird 2022 Katar Veranstalter der Fußball-Weltmeisterschaft sein. Und das, obwohl Katar bereits seit der Vergabe im Jahr 2010 wegen schlechten Arbeitsbedingungen und Queerfeindlichkeit in der Kritik steht. Nach Recherchen des „Guardian“ sind zudem in den vergangenen zehn Jahren mehr als 6500 Gastarbeiter*innen in dem autoritär regierten Wüstenstaat gestorben.

Trotz all dieser Kritik wird Katar voraussichtlich 2022 auf die allerhöchste Bühne, die der Fußball bieten kann, gestellt.

Jedoch wird Politik nicht nur von außen in den Fußball getragen, sondern ist durch die Fans, insbesondere der Kurven auch ein allgegenwärtiger Teil des Sports. Insbesondere auch die Fankulturen haben sich im Zuge der Kommerzialisierung des Fußballs in den letzten 20 Jahren stark verändert. „Seit mindestens zehn Jahren dominieren die ‘Ultras‘ die deutschen Fankurven. […] Die Ultra-Kultur wurde im Laufe der letzten Jahre für Heranwachsende immer attraktiver, die Gruppen wuchsen und verdrängten Schritt für Schritt die ‘Hooligans‘, also die gewaltorientierten, politisch meist rechts stehenden Fanclubs, aus dem Zentrum der Kurven.“ (Bundeszentrale für politische Bildung)

Die dennoch bestehende Problematik mit rechten Fußballfans beschreibt die linke Düsseldorfer Fangruppierung Kopfball: „In vielen Städten gehören die Neonazis nicht nur wie selbstverständlich zu den jeweiligen Fanszenen, sie treten dort auch offen als Faschisten auf und werden vom Rest stillschweigend hingenommen oder sogar begrüßt. Es geht ja schließlich um Fußball, nicht um Politik, da kann man jeden gebrauchen. Nun lässt es sich der nette Fascho von nebenan aber in der Regel nicht nehmen, auch inhaltlichen Einfluss auf die gesamte Szene haben zu wollen“.

Um diesen rechtsextremen und menschenverachtenden Strömungen entgegenzutreten, die den Fußball ähnlich wie die bereits genannten Regime als Propaganda benutzen, engagieren sich Fanszenen und Fanclubs wie Schickeria München (Bayern München), AK 96-Fans gegen Rassismus (Hannover 96), Schwarze Geier (Eintracht Frankfurt) und viele weitere für Toleranz und Diversität im Fußball und gegen Rechtsextremismus, Rassismus und jegliche Form von Diskriminierung sowohl im als auch außerhalb des Stadions.

Soll der Fußball also unpolitisch schweigen, wenn andere ihn instrumentalisieren und ihn benutzen um ihren Rassismus und Diskriminierung zu verbreiten?

Nein! Denn durch das kulturelle Miteinander im Sport und im Speziellen im Fußball ist dieser ein Vorbild für die gesamte Gesellschaft. Der deutsche Fußballtrainer Jürgen Klopp sagt sogar: „Die Welt sollte eine Spielerkabine sein. Damit meine ich nicht Männer in Unterhosen, sondern unterschiedlichste Kulturen auf einem Level. Da ist gar kein Unterschied. Den hat es noch nie gegeben […]. Natürlich ist das völkerverbindend. Der Fußball ist kein Paradies, aber er ist ein gutes Beispiel in vielen Bereichen.“

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