Jesus Christ Superstar

Es ist wieder soweit, durch die Straßen hallen wieder Klassiker wie „oh du Fröhliche“, „Alle Jahre wieder“, oder das Weihnachtslied schlechthin „Last Christmas“. Die Städte haben sich herausgeputzt, die Geschäfte sind vollgestopft mit kaufwütigen Kund*innen, kurzum der Kapitalismus hat wieder Hochkonjunktur.  Weihnachten steht vor der Tür, das Fest der Liebe und der Vergebung. Doch ist es das, war es das jemals? Für einige scheint das Gebot der Nächstenliebe nicht für jeden Menschen zu gelten. Sehr stark ist mir das im vergangenen Jahr aufgefallen. Die Flüchtlingskrise, tausende von Menschen machen sich auf den Weg nach Europa, um Terror und Verfolgung zu entkommen oder aber einfach um ein besseres Leben im gelobten Kontinent Europa zu beginnen. Doch was erwartet diese Menschen hier? Sie werden von Militärs mit Waffen im Anschlag begrüßt, vor ihnen werden Zäune hochgezogen und Haftlager eingerichtet. Man möchte gar zynisch sagen, „the same procedure as everywhere“.

Natürlich möchte ich auch hier nicht unter den Tisch fallen lassen, dass es auch andere Vorgehensweisen gab. Schweden hat sehr lange so viele Menschen wie möglich aufgenommen und auch Deutschland hat sich, um eine humanitäre Katastrophe abzuwenden, über das Dublin-Verfahren hinweggesetzt und vielen Menschen die Einreise erlaubt und auch das Asylverfahren ermöglicht. Kaum hatte man dies beschlossen, kamen auch schon die ersten Stimmen aus dem Südosten der Republik, die diese menschliche Geste für nicht tragbar hielten.

Hier kommen wir zum eigentlichen Thema meines Beitrags, die CSU. Die Christlich Soziale Union. Vor Jahren, als ich begann mich politisch zu interessieren, habe ich mir die Parteienlandschaft in Deutschland einmal angesehen. Damals wie heute verstehe ich nicht, wie diese Partei zu ihrem Namen kam. Wo zur Hölle ist diese Partei christlich und wo soll sie sozial sein???

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Ich habe mir lange überlegt, was wohl für mich christliche Werte sind. Ich bin in einem christlichen Haushalt aufgewachsen, mein Vater arbeitet für die Katholische Kirche und ein Onkel ist Bruder bei den Steyler Missionaren, ich habe also Menschen in meinem nächsten familiären Umfeld, die fest im christlichen Glauben stehen. Doch auch diese reagieren meist mit großem Unverständnis auf Äußerungen der CSU (nicht erst seit der Flüchtlingskrise). Wie kann man Aussagen wie „Asylurlauber auf Heimattrip können gleich bleiben, wo sie hergekommen sind“[1], das ständige Fordern von Obergrenzen oder auch das möglichst schnelle Abschieben von möglichst vielen Asylbewerber*innen mit einem christlichen Leitbild vereinen (geschweige denn mit dem Grundgesetz)? Heißt es nicht in der Bibel „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ (Johannes 13,34) oder auch „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.“ (Matthäus 7,12). Selbst die Katholische Kirche hat nach Jahrhunderten, in denen sie mit Kreuzzügen, Intrigen, Ablasshandel und vielem anderen mehr von sich reden machte, mittlerweile entdeckt, dass die Nächstenliebe wohl doch recht zentral im Christentum verankert ist (bzw. sein sollte) und dass an der Nächstenliebe nicht sehr viel umgedeutet werden kann. So ist das Jahrzehnte alte „natürliche“ Bündnis von CSU und Kirche stark am bröckeln. Vor wenigen Monaten äußerte sich Kardinal Marx (nomen est omen ;)) zum Vorgehen der CSU und sagte „Diese Tonlage ist nicht hilfreich für die Integration Hunderttausender Flüchtlinge“[2]. Dies könnte natürlich der CSU auch egal sein, nun ist aber Kardinal Marx nicht irgendein dahergelaufener Kirchenmann, er ist der Vorsitzende der Deutschen Bischofkonferenz und hat so ein hohes Amt mit großem Einfluss in ganz Deutschland. Der Münchner Kardinal Marx steht mit dieser Kritik nicht alleine da, auch der Kölner Kardinal Woelki äußerte sich in seiner Predigt besorgt über die aktuellen Äußerungen, „Populismus schürt Entsolidarisierung und braucht Sündenböcke. Menschen in ihrer Bedürftigkeit – so unterschiedlich diese sein mag – werden auf grausame Weise gegeneinander ausgespielt.“[3] Dieser Kurs einer christlichen Partei scheint umso seltsamer zu wirken, wenn man bedenkt, dass Jesus selbst auf der Flucht in Ägypten war.

Es scheint so, als ob die CSU sich entscheiden müsste, ob sie sich wieder der Kirche annähern, oder auf der rechtspopulistischen Schiene weiterfahren möchte. Sollte sich die Partei allerdings für Letzteres entscheiden, so wäre wohl auch eine Namensänderung angebracht, denn das einzig christliche sind die mehrheitlich dem christlichen Glauben angehörenden Mitglieder.

Ich wünsche allen frohe Weihnachten und möchte noch die verrückte Idee anregen, ob es vielleicht nicht eine christliche und humanitäre Geste wäre, alles Menschen Mögliche zu tun und Geflüchtete aus der Seenot zu retten und ihnen ein sicheres Leben in Europa zu ermöglichen.

[1] http://www.tagesspiegel.de/politik/csu-generalsekretaer-zu-asylpolitik-das-schlimmste-ist-ein-fussballspielender-ministrierender-senegalese/14562838.html (Stand 21.12.2016)

[2] http://www.sueddeutsche.de/bayern/csu-solche-saetze-sind-futter-fuer-rechtspopulisten-1.3168768 (Stand 21.12.2016)

[3] http://www.dbk.de/presse/details/?presseid=3222&cHash=1f1f93517dc79c86a0224cfa8a0071fb (Stand 21.12.2016)

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