TKKG – das F steht für feministisch.

Als ich sechs Jahre alt war, war ich auf zwei Dinge stolz: meinen winzigen elektrischen Kinderbackofen, auf dem ich kleine Pfannkuchen machen konnte, und meine vergleichsweise große Sammlung an TKKG-Büchern und –Kassetten. Durch ältere Geschwister und diverse Flohmarktbesuche hatte ich sogar noch Folgen, auf denen das wunderbare Rap-Intro zu hören war: „Tarzan ist der Kopf des Ganzen, Karl lässt schnell die Fakten tanzen, Klößchen ist ein guter Typ, Gabi hat den Tarzan lieeeb“.

Und genau hier sind wir an dem Punkt, der mich bei näherem Hinhören (danke spotify) die letzten Monate wirklich immer wieder wütend gemacht hat. Tarzan, bzw. in späteren Folgen nur Tim genannt, ist der Starke, das Ass im Sport, Schwerpunkt Judo. Karl, das Superbrain. Klößchen ist übergewichtig (daher der beleidigende Spitzname), dafür aber sehr witzig und hat zufälligerweise noch ziemlich reiche Eltern. Und Gabi? Die ist in erster Linie Tochter des seltsamerweise IMMER zuständigen Kommissars (männlich), in zweiter Linie ist sie Tims (männlich) Freundin, und in dritter Linie ist so tierlieb, dass sie in den ersten Folgen nur „Pfote“ genannt wird und außerdem einen kleinen Hund (Überraschung: männlich) mitbringt. Und sie hat ganz tolles glänzendes Haar und kornblumenblaue Augen, und sieht überhaupt einfach genau so aus, wie ein junges Mädchen im Idealfall aussehen sollte. Ihre wichtigste Aufgabe innerhalb der Ereignisse ist demnach, immer wieder die männlichen Figuren miteinander in Verbindung zu bringen. Sie selbst wird von Tim übrigens meistens nach Hause oder ins Bett geschickt, wenn es spannend wird. Dass es dabei gefährlich werden könnte, ist für die Gruppe Anlass genug, dem Mädchen vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen und zu sagen oder nicht zu sagen hat.

Hinzu kommt außerdem der grenzenlose Rassismus, wenn es um die Täter geht. Meist tauchen schon am Anfang Verdächtige auf, die nur deshalb verdächtig sind, weil sie aus Sicht der Polizei oder der vier Halbstarken südländisch aussehen, oder einen italienischen Akzent haben, oder auf Arabisch telefonieren oder – Gott bewahre! – ein Tattoo haben. In den meisten Fällen waren diese Verdächtigen übrigens auch die Täter. Desweiteren schreibe ich hier explizit ohne Gender-Sternchen, denn ich kann mich an keine einzige Folge erinnern, in der eine Frau die Täterin gewesen wäre. Auch das ist Sexismus: diskriminierend gegen Männer und positiv sexistisch gegen Frauen.

Ein anderes Beispiel sind die Drei !!!. Was erstmal nach dem Satzende einer*eines Pegida Anhänger*in aussieht, ist in Wahrheit das weibliche Pendant zu den Drei ???. Letztere sind, wie bereits seit vielen Jahren, in schwarzem Einband zu finden, mit grusligen Titeln und zum Teil noch grusligerem Inhalt, und eben drei männlichen Hauptcharakteren. Die Idee, eine Antwort darauf zu veröffentlichen, finde ich ja prinzipiell nicht schlecht. Wieso nicht zwei Mädchen und ein Junge, in der alle drei schlau und witzig und cool sind? Weil sich das aus Sicht der Verlage scheinbar nicht verkauft. Stattdessen gibt es nun eben die drei !!!, die im süßen bunten Einband und mit Titeln wie „Liebes-Chaos“, „Nacht der Prinzessinnen“ und (das ist wirklich kein Witz) „Das geheime Parfüm“ daherkommen. Diese Titel sind zwar auch außergewöhnlich gruslig, aber leider eben nur in Bezug auf ihr reaktionäres und teilweise brechreizerregendes Frauenbild. Denn wer könnte im Jahr 2016 denn tatsächlich annehmen, dass Nachwuchs-Detektivinnen außerhalb des Fitnessstudios, der Castingshow oder des Reitstalls ermitteln könnten? Da fällt mir vor Lachen ja fast der Putzlappen in den Kochtopf.

Vor einigen Jahrzehnten entwickelte Alison Bechdel einen Test mit dem kreativen Namen Bechdel-Test, mit dem sie zeigen wollte, wie sexistisch Filme, Serien und Comics sind. Dieser Test basiert auf drei Ausgangsfragen: 1. Gibt es mindestens zwei aktive Frauenrollen? 2. Sprechen sie miteinander? 3. Sprechen sie über etwas anderes als Männer? Um diesen Test zu bestehen, würde es also ausreichen, zwei Frauen zu haben, die sich zwei Minuten lang über Schuhe, Handtaschen oder sonstige Klischees abgesehen von Männern unterhalten. Aber viele Filme schaffen nicht einmal das. Dazu gehören übrigens auch die Helden (auch hier explizit männlich) unserer Kindheit: Der König der Löwen, Oben, Dschungelbuch, Monster AG und selbst unser aller Lieblinge aus Findet Nemo und Toy Story fallen gnadenlos durch. Ein wirkliches Wunder ist das jedoch nicht, schließlich sind die Protagonist*innen zwar nicht selten weiblich, ihre engste Bezugsperson und mögliches weibliches Vorbild, die (Stief-)Mutter ist aber meistens entweder tot, oder böse. Bei Interesse ist es übrigens ganz einfach, die eigenen Lieblingsfilme unter www.bechdeltest.com näher unter die Lupe zu nehmen. Meine eigenen Lieblingsfilme schaffen den Test auch nicht alle: Harry Potter besteht ihn (mit Ausnahme des vierten Teils, aber der war sowieso ziemlich naja), Sense & Sensibility ebenfalls, Frühstück bei Tiffany’s hingegen nicht.

Falls ihr euch aus Wut über die sexistischen Strukturen der Filmwelt jetzt mit dem Hammer des Patriarchats die Erinnerungen an das eben Gelesene aus dem Kopf prügeln wollt, lasst das mal lieber, denn es gibt auch Hoffnung. Sharknado beispielsweise besteht den Bechdel-Test.

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