Israels Sechstagekrieg – Eine Woche die den Nahen Osten entflammte

ISRAELS SECHSTAGEKRIEG

Eine Woche, die den Nahen Osten entflammte

 

Wer den Nahostkonflikt heute verstehen will, muss sich auf eine Zeitreise begeben:
Vor 50 Jahren begann der Sechstagekrieg zwischen Israel und mehreren seiner arabischen Nachbarstaaten.
Der Krieg, der nach sechs heißen Junitagen endete, bildete den Grundstein für Israels Siedlungspolitik und damit Herd ständig neu aufflammender Auseinandersetzungen.

 

Präsident Nasser flößte der arabischen Welt wieder Selbstbewusstsein ein

 

Doch der Reihe nach:
Israel und seine arabischen Nachbarn haben vor der Offensive seit der Staatsgründung bereits zwei Kriege hinter sich.
In den arabischen Staaten wirken die Niederlagen noch nach. Der in Ägypten regierende Präsident Gamal Abdel Nasser, ein charismatischer Politiker, flößt der arabischen Welt wieder neues Selbstbewusstsein ein.
Antikolonialismus, Panarabismus und Sozialismus – Nasser trifft Mitte der 60er Jahre den Geist vieler Menschen in der Region.
Doch er steht auch unter Druck: Der von ihm versprochene Wohlstand   bleibt aus, gerade hat er einen Krieg
gegen den Jemen verloren – Nassers Vietnam.
Er beginnt ein Pokerspiel, in dem er Israel bis zum äußersten reizt.
Im Frühjahr 1967 lässt er Truppen auf der Sinaihalbinsel aufmarschieren. Die Gegend steht eigentlich unter UN-Aufsicht und soll einen Puffer zwischen Ägypten und Israel bilden. Doch die Vereinten Nationen müssen abziehen.
Dann maximiert er die Provokation: Nasser lässt die Straße von Tiran, Israels Zugang zum Roten Meer abriegeln. Der strategisch wichtige Hafen von Eilat ist damit isoliert.

 

Ägyptische Soldaten riegeln die Sinaihalbinsel ab

 

Dabei ist Nassers Kalkül jedoch nicht unbedingt einen Krieg
heraufzubeschwören, sondern er hofft stattdessen vielmehr durch eine Demonstration der Stärke einen diplomatischen Erfolg zu erzielen.
Ziel ist  nach Ansicht vieler Historiker*innen, seinen bröckelnden arabischen Führungsanspruch zu sichern. Denn  Noch Nasser verspekuliert sich. Am 5. Juni 1967, es ist ein Montag, startet Israel einen Überraschungsangriff auf ägyptische Stellungen auf dem Sinai.

 

Kriegsverlauf auf der Sinaihalbinsel

 

Israelische Soldaten vor einem abgeschossenen ägyptischen Kampfjet

 

180 Jets benötigen nicht mehr als 90 Minuten um große Teile der ägyptischen Luftwaffe zu zerstören. Nassers Streitkräfte sind paralysiert. In nur wenigen Tagen gelingt Israel die Besetzung der Halbinsel. Am 8. Juni stimmt Kairo – besiegt und gedemütigt – einem Waffenstillstand zu.
Ähnlich ergeht es Syrien und Jordanien, die an der Seite Ägyptens in den Krieg eintreten: Auch die Luftstreitkräfte der beiden Nachbarn Israels sind binnen weniger Tage praktisch nicht mehr existent.
Israel fallen der Gazastreifen, das Westjordanland, die Goldanhöhen, der Ostteil Jerusalems sowie die komplette Sinaihalbinsel zu.
Das Staatsgebiet vergrößert sich binnen weniger Tage auf mehr als das Doppelte.
Am 10. Juni endet der Krieg, als die letzten syrischen Truppen von den Golanhöhen fliehen.
Ein Tag später wird der letzte Waffenstillstand unterzeichnet.
Für Israel ist der Sieg ein großer Triumph. Um die Schlachten ranken sich zahlreiche Heldenerzählungen.
Nur zwei Beispiele:
Einer dieser Helden ist etwa Ariel Scharon, der als Kommandeur einer Panzerdivision maßgeblich zum Sieg über Ägypten auf dem Sinai beitrug. Später bestimmt Scharon jahrelang politisch die Geschicke Israels.

 

Ariel Scharon war maßgeblich für den Sieg auf der Sinaihalbinsel verantwortlich.

Jitchak Rabin

 

Die andere Aufnahme zeigt Jitchak Rabin. Rabin war damals  Generalstabschef und wird 1974 und nochmals 1992 Ministerpräsident des Landes, bis er als Friedensnobelpreisträger 1995 ermordet wird.
Der Krieg ist vorüber, befriedet ist der Konflikt damit – auch 50 Jahre später – nicht.
Nur wenige Tage Kriegsende treffen sich die arabischen Staaten in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. In einer Resolution beschließen sie: kein Friede mit Israel, keine Verhandlungen mit Israel und keine Anerkennung Israels.
Der UN-Sicherheitsrat versucht das Problem zu lösen. Resolution 242 betont das Recht jedes Staates der Region. Im Gegenzug muss sich Israel aus den besetzten Gebieten zurückziehen.
Doch Israel weigert sich. Der Sinai fällt erst nach dem Friedensvertrag von Camp David 1978 wieder an Ägypten. Aus dem Gazastreifen zieht sich das  Militär erst 2005 wieder zurück.

 

Israelische Siedlung im Westjordanland

 

Bis heute kontrolliert Israel das Westjordanland, die Goldanhöhen und Ostjerusalem.
1967 werden eine viertelmillion Palästinenser*innen aus den besetzten Gebieten vertrieben. Wer bleibt, muss mit Wartezeiten an Checkpoints und Versorgungsengpässen leben. Immer wieder flammen Kämpfe auf.
Israel beginnt noch im Kriegsjahr damit, Siedlungen in den besetzten Gebieten zu bauen. Viele Israelis träumen von einem »Groß-Israel«. Der Bau von Häusern für Israelis in diesen Gegenden ist ein Reibungspunkt, der eine Friedenslösung schwierig macht – auch 50 Jahre später noch.

 

 

Kommetare wurden geschlossen.