Queer_Time!

Wir leben in einer Zeit, die von vielen gern als „modern“, „fortschrittlich“, „tolerant“ und „offen“ bezeichnet wird. Irgendwie scheint dies zwar von vielen – auch von einigen Jusos – so gesehen zu werden, aber wie so oft müssen wir feststellen, dass das absoluter Quark ist.

Dabei erlaube ich mir hier besonders eine Thematik herauszugreifen, die in meinen Augen ein besonders brennendes Thema darstellt. Es ist nichts anderes als die mangelnde Gleichberechtigung von queeren Menschen: Wir haben noch immer die Situation, dass in unserer ach so fortschrittlichen Zeit queere Menschen gesellschaftspolitisch strukturelle Benachteiligungen erfahren müssen. Hierbei sei besonders die viel diskutierte, aber noch immer nicht existente Eheöffnung auch für homosexuelle Menschen oder das fehlende Adoptivrecht für diese erwähnt. Auch in der Öffentlichkeit stoßen Menschen jenseits der gesellschaftlich-tradierten Heteronormativität und binären Geschlechtlichkeit auf Skepsis und Ablehnung, was oftmals durch Kommentare, wie „Die dürfen sich schon küssen, aber bitte nicht in der Öffentlichkeit“, „Naja, der sieht ja aus wie ein Mädchen. Kann sich der nicht wie ein richtiger Mann kleiden und benehmen?“ oder schändlichen Begriffen wie „Schwuchtel“, „Kampflesbe“ oder „Lutscher“ deutlich wird.

Was mich besonders freut ist, dass wir Jusos gemeinsam für die Gleichberechtigung aller Menschen und gegen herabwürdigende Sichtweisen und Kommentare kämpfen. Wir sind der Auffassung, dass jeder Mensch die gleichen Chancen und Rechte besitzen soll und daher stehen wir auch absolut hinter diesen Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Diskriminierungen und Benachteiligungen ausgesetzt sind.
Jedoch muss ich hierbei besonders einen Punkt ansprechen, den wir Jusos alle gemeinsam bedenken sollten: Wenn wir die Gesellschaft in diesem Punkt positiv mitgestalten wollen, dann müssen wir zuallererst auch innerhalb des Verbandes Strukturen schaffen und mangelnde Partizipationsmöglichkeiten aus dem Weg räumen. Ja, auch wir Jusos müssen uns in dieser Thematik an der Nase packen! Erste Forderungen vonseiten uns Jusos Niederbayern sind, dass sich queere Genoss*innen bei einem Problem in einem geschützten Raum vertrauensvoll an eine eigens geschaffene Vertrauensperson wenden oder anonym Bemerkungen und Wünsche loswerden können. Außerdem sehen wir es als dringend notwendig, dass endlich auch bei Veranstaltungen der Jusos Bayern Unisex-Toiletten eingerichtet werden. Wir wollen Menschen kein Geschlecht aufzwingen. Jede*r entscheidet selbst, wie er*sie sich definieren möchte und welchem Geschlecht (oder eben auch keinem) er*sie sich zugehörig fühlt.

Bei der an diesem Wochenende stattfindenden Landeskonferenz werden wir hier einen entsprechenden Antrag einbringen. Es ist Zeit, dass wir den Verband endlich queeren!
Und noch was: Die SPD hat es bis heute nicht geschafft die Ehe für Alle und das Adoptionsrecht einzuführen. Als Grund, warum das noch immer nicht Realität ist, wird schon fast Mantra-artig die Koalition mit der Bauchweh-Union angeführt. Doch ich weiß da eine Lösung: Die Mehrheiten im Bundestag wären da, sie müssten lediglich noch genutzt werden!
Und damit: Queer the Jusos, queer the time!

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